Verfälschung der Vaterunser-Bitte

Das Vater Unser ist uns bekanntlich von unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus gelehrt worden, und zwar in dem Wortlaut, wie es die Kirche betet; denn er sprach: "Betet ihr daher so:

"Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen."

Das ist die korrekte Übersetzung seiner in der Heiligen Schrift vom hl. Apostel Matthäus überlieferten Worte aus dem Griechischen. Nun haben sich die katholischen Bischöfe in der französischen Schweiz  daran gemacht, die Bitte "Führe uns nicht in Versuchung" für den liturgischen Gebrauch zu verfälschen. Sie formulieren stattdessen: „Ne nous laisse pas entrer en tentation“ = "Lass uns nicht in Versuchung geraten". Mit dieser Formulierung wird gleichsam der Sinn dieser Vaterunser-Bitte, den uns der Herr vermittelt, völlig verdreht und verfälscht; und die Gläubigen werden künftig irregeführt.

Damit Sie die Worte des Herrn leichter nachvollziehen und das prüfen können, hier die Wort-für-Wort-Übersetzung (von oben nach unten gelesen): kai mee eisenénkees hemas eis peirasmon

kai = und

mee = nicht

eisenenkees = führe

hemas = uns

eis = in die / in ... hinein

peirasmon =  Versuchung

Eine andere Übdersetzung lässt der griechische Text einfach nicht zu. Bischof Voderholzer erklärt daher, es könne nicht darum gehen, Christus gleichsam zu korrigieren; vielmehr sei es angesagt, seine Worte im Lichte der Heiligen Schrift zu erläutern.

Es fragt sich, welcher Teufel katholische Bischöfe reitet, wenn sie Christus, unserm Herrn und Gott, Worte in den Mund legen, die er nie gesprochen hat. und die, die er gesprochen hat, verneinen, und die ahnungslose Gläubigen auf diese Weise betrügen und in die Irre führen. Jedenfalls zeigt dies, dass diese Bischöfe längst vom Glauben abgefallen sein müssen, da gläubige Bischöfe zu solchen ganz üblen Taten überhaupt nicht fähig sind. Aber wen wundert's, ist es uns doch vom hl. Apostel Paulus prophezeit worden:

"Ich weiß, dass nach meinem Weggang reißende Wölfe bei  euch eindringen werden, die die Herde nicht schonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, um die Jünger auf ihre Seite zu ziehen." (Apg. 20,29f.)

Hüten wir uns also vor den falschen Hirten, die reißende Wölfe sind und uns, die Herde, nicht schonen!


Diskussion mit Modernisten

Neukatholikin
"Was ich vom frankophonen Vaterunser kenne lautet so: '… ne nous laissez pas succomber à la tentation'. Das heisst 'lass uns nicht der Versuchung unterliegen'. Begründet wurde es aber von dem Geistlichen damit, dass es niemals Gott ist, der uns der Versuchung unterwirft. Er lässt es nur zu und kann dann entsprechend eingreifen, dass wir nicht über Gebühr versucht werden."


antiprotestantismus

"Diese 'Übersetzung' gibt der griechische Text Mt. 6,13 nicht her. Mit dieser Pseudo-Übersetzung legt man Christus Worte in den Mund, die er nicht gesprochen hat und nimmt ihm die Worte, die er gesprochen hat. Das ist total dreist!

Im übrigen erklärt Bischof Voderholzer in seiner Predigt bestens, wie die bezeichnete Vaterunser-Bitte zu verstehen ist."


Johann Huber

"Was gibt denn nach Ihnen der griechische Text her? Das Griechische zur Zeit Jesu ist oft nicht in der Lage, das wiederzugeben, was im hebräischen oder aramäischen Original gemeint war. Hier von Dreistigkeit zu sprechen, ohne eine konkrete Alternative anzubieten, finde ich etwas dürftig.
Im übrigen gibt der frz. Ausdruck „succomber à la tentation“ genau das wieder, was die Bibel als ganze und Bischof Vorderholzer meinen."

antiprotestantismus 

@ Johann Huber
„Was gibt denn nach Ihnen der griechische Text her?“

Na, das worauf ich verweise!

„Das Griechische zur Zeit Jesu ist oft nicht in der Lage, das wiederzugeben, was im hebräischen oder aramäischen Original gemeint war.“

Diese Ausflüchte kenne ich; sie dienen dazu, den Pseudo-Übersetzungen und den diesen innewohnenden Irrtümern eine Berechtigung zu verleihen. Es war Apostel Matthäus selbst, der unter der Inspiration und Leitung des Heiligen Geistes das Griechische so benutzte, wie es richtig ist. Und eben dieser griechische Text gibt das, was die Bischöfe der französischen Schweiz fabriziert haben, nicht her!

„Hier von Dreistigkeit zu sprechen, ohne eine konkrete Alternative anzubieten, finde ich etwas dürftig.“

Welche Alternative? Es gibt keine Alternativen, außer falsch oder richtig, Wahrheit oder Betrug!
Die richtige Übersetzung ist die, wie sie die Kirche beim Beten des Vater Unser wiedergibt!"


Ende



PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zu der Vaterunser-Bitte

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Als Bischof werde ich immer wieder einmal auf die 6. Vater-Unser-Bitte angesprochen: "Vater, ... und führe uns nicht in Versuchung".

Viele Mitchristen tun sich schwer beim Gedanken, der bei dieser Bitte ja scheinbar vorausgesetzt ist, Gott der Vater könne uns Menschen in Versuchung führen, Gott könne ein Interesse daran haben, uns aufs Glatteis zu führen und uns straucheln zu sehen.

Regelmäßig kommt dann auch der Vorschlag, die Formulierung der Bitte abzuändern und zu sagen: "Führe uns in der Versuchung" oder "führe uns durch die Versuchung" oder ähnlich. Vielleicht sind ja auch unter Ihnen Mitchristen, die ähnlich denken und denen dieser Vorschlag aus dem Herzen spricht.

Das Evangelium vom 1. Fastensonntag von der Versuchung Jesu nehme ich als Anlass, darüber einmal tiefer nachzudenken und die Frage zu beantworten.

Wer für eine Änderung der Vaterunser-Bitte im gerade beschriebenen Sinne eintritt, kann mit einem gewissen Recht den Jakobusbrief zu seinen Gunsten anführen, wo es im 13. Vers des 1. Kapitels heißt: "Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung ge-führt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selber niemand in Versuchung."

Was hindert also daran, das Vaterunser umzuformulieren?

Uns hindert erst einmal die textliche Überlieferung. Sowohl in der Vaterunser-Fassung des Matthäus-Evangeliums (6,13) als auch in der Fassung des Lukas-Evangeliums (11,4), die sich an manchen Stellen durchaus unterscheiden, heißt es eindeutig und gleichlautend: kai mee eisenénkees hemas eis peirasmon. Und führe uns nicht in Versuchung.

Auch in den anderen Sprachen hält man sich treu an diese Überlieferung, im Englischen etwa, was mir durch die Reisen nach Indien und nach Südafrika in den letzten Wochen gegenwärtig besonders im Ohr ist: and lead us not into temptation (lateinisch: et ne nos inducas in tentationem).

Wenn wir anfangen würden, Jesus zu verbessern, zu sagen: Nein, Jesus, also so kannst du das nicht gesagt haben, wir wissen es besser und wir erlauben uns hier, dich zu korrigieren - dann bekommen wir bald eine ganz neue Bibel nach unseren menschlichen Vorstellungen. Die Bibel würde aufhören, Zeugnis von Gottes Offenbarung zu sein.

Die Änderung des Vaterunsertextes, so wie wir ihn gewohnt sind, scheidet aus, weil es die treue Übersetzung der Überlieferung des Jesus-Wortes ist.

Wir müssen versuchen, trotz der Schwierigkeiten, die sich unzweifelhaft mit dieser Aussage verbinden, Jesus richtig zu verstehen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist dabei - wie eigentlich immer im Neuen Testament, dass man den alttestamentlichen Hintergrund bedenkt.

Es ist mehr als einmal im Alten Testament bezeugt, dass die Versuchung oder Anfechtung im Glauben als etwas Positives gesehen wird insofern, als sie in den Vorgang des Reifens, des Erwachsenwerdens des Menschen hineingehören. Im Buch Tobit etwa heißt es gemäß einer Überlieferung in der griechischen Bibel: "Weil du bei Gott angenommen warst, war es notwendig, dass die Versuchung dich prüfe." - Und im Buch Jesus Sirach steht geschrieben: "Der nicht in Versuchung geführt wurde, weiß wenig" (Sir 34,10a LXX).

Das sind Worte, deren Sinn man nachvollziehen kann, wenn man an die Reifung denkt, die einem selbst vielleicht eine bestandene Krankheit oder eine gut verarbeitete Verlusterfahrung im Leben gebracht haben. So gesehen kann man der Versuchung etwas Positives abgewinnen und sie vielleicht sogar als Teil göttlicher Pädagogik einordnen und es nicht von vorneherein für völlig ausgeschlossen halten, Gott könne einem diesen Weg der Reifung nicht zumuten.

Eine Lösung für unser Problem haben wir damit freilich noch nicht. Denn Jesus lehrt ja beten: Führe uns nicht in Versuchung!

Mir scheint, dass der Exeget Heinz Schürmann in seiner Vaterunser-Auslegung den richtigen Weg zum Verständnis weist. Er erinnert an alttestamentliche Gebetsworte wie etwa Ps 26,2, wo es heißt: "Erprobe mich, Herr, und durchforsche mich. Prüfe mich auf Herz und Nieren." D. h. so viel wie: "Führe mich, oh Herr, ja, führe mich ruhig in Versuchung! Du wirst sehen, ich halte stand, ich bleibe treu!"

Das ist Ausdruck großen Selbstvertrauens, großer Sicherheit. Und da sagt nun Jesus: Betet nicht so! Seid euch nicht so sicher! Denn Jesus sieht unsere Versuchlichkeit, un-sere Gefährdung durch die Versuchung weit gefährlicher und tiefer. "Wer im Geiste Jesu betet, hat nicht die geringste Zuversicht, in der Versuchung bestehen zu können; darum muss er so dringend bitten, dass er erst gar nicht in sie hineingeführt werde."

Dem entspricht die Mahnung an die Jünger auf dem Ölberg am Karfreitag: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geführt werdet" (Mk 14,38).Von dieser Situation her wird dann auch klar, was die "Versuchung" eigentlich meint, nämlich: einen Angriff auf meinen Glauben und meine Hoffnung.

Wir müssen wahrscheinlich immer wieder auch unsere Vorstellung von der "Versuchung" überprüfen und am Ernst des Evangeliums messen. Gerade im Reden von der "Versuchung" gibt es viel Unernst und Oberflächlichkeit - wenn ich nur an die Werbung denke für die Schokoladen-Marke, die gerühmt wird als "die 'zarteste Versuchung', seit es Schokolade gibt."

Liebe Schwestern und Brüder: Alle Versuche, in der Fastenzeit Verzicht zu üben, in Ehren. Aber das Thema "Versuchung" in erster Linie mit Süßigkeiten in Verbindung zu bringen, entspricht nicht dem Ernst der biblischen Botschaft.

Die Versuchung, um deren Ausbleiben Jesus die Jünger zu beten lehrt, ist zunächst einmal die Verunsicherung im Glauben durch das Kreuz Jesu, seine Verhaftung und seinen schmählichen Tod!

Versuchung hat mit Glauben und Hoffnung zu tun. Versuchung, das ist Not, das ist Krankheit, das ist Hunger, das ist Einsamkeit, das ist Todesangst.

Versuchung, das ist die Not, die mich nicht mehr beten lehrt, sondern die mich an Gott irrewerden lässt und fluchen lehrt. Das Sprichwort: Not lehrt beten, ist ja nur die halbe Wahrheit. Die Erfahrung zeigt doch auch: Not lehrt fluchen. Versuchung ist diese Not, die einen fluchen lehrt.

In der Versuchung im wahren und ursprünglichen biblischen Sinn des Wortes sind derzeit unsere Mitchristen in Ägypten, denen die grausamen IS-Milizen im Nachbarland Libyen vor Augen führten, welche Konsequenzen allein schon die Tatsache des Christseins hat. 21 Männer wurden grausam enthauptet.

In einer solchen Situation treu zu bleiben, nicht unsicher und wankend im Glauben an Jesus Christus zu werden, das ist eine schier übermenschliche Herausforderung. Dass sie nicht unsicher werden und fallen, dafür müssen wir beten für die Kopten - ganz abgesehen von der Empörung, die durch die ganze christliche Welt gehen muss.

In der Versuchung sind vor allem die Opfer der Hinrichtung selbst auf ihrem Weg zum Strand, geführt von den Henkern mit den Messern im Gewand. Nicht zu verbittern, nicht zu fluchen, sondern für die Henker zu beten ... das hieße, in der Versuchung standzuhalten. Wie schwer muss das sein!?

Vater, ... führe uns nicht in Versuchung. Wenn wir dieses Wort Jesu, uns geschenkt im Vaterunser, einordnen in das Gesamt der biblischen Überlieferung, dann können wir sagen:
Gott kann die Versuchung zulassen, aber es ist der Böse selbst, der uns in ihr begegnet. Die Bitte unterstellt Gott nicht die Gemeinheit, uns aktiv böse zu wollen, sondern sie erinnert uns an die eigene Gefährdung, an die Versuchlichkeit im Glauben, sie warnt uns vor Selbstsicherheit und Überheblichkeit, und sie lehrt uns so gesehen auch, das große Geschenk wertzuschätzen, das darin besteht, wirklich glauben zu können und von Verunsicherungen im Glauben verschont zu sein.

"Der Beter des Unservater ist kein Überfrommer, kein Superstar der Frömmigkeit; er bittet Gott nicht um Gelegenheit zur Bewährung seines Glaubens, sondern bittet ihn, ihn nicht auf die Probe zu stellen."

BILD: Bischof Voderholzer betet am Altar bei einer Firmung im Regensburger Dom

Das heutige Evangelium von der Versuchung Jesu zeigt uns: Jesus weiß, wovon er spricht, wenn er uns beten lehrt: "Vater, führe uns nicht in Versuchung." Er hat, vom Geist in die Wüste geführt, die Urversuchungen des Menschen bestanden: Physische Not, Vermessenheit Gott gegenüber und schließlich die Vergötzung der Welt und ihrer Macht.

Die Versuchungen Jesu durchziehen freilich sein ganzes irdisches Wirken. Wenn Petrus ihn beispielsweise davon abhalten will, den Weg des Kreuzes zu gehen, muss er sich anhören: Hinter mich, Satan, du willst nicht was Gott will ...

So ist für Jesus die große Versuchung auch noch einmal sein Leiden, wie es der Hebräerbrief sagt: "Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden." (Hebr 2,17) - Und: "Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat." (Hebr 4,15)

Liebe Schwestern und Brüder des geweihten Lebens,

das Thema der Versuchung, der Anfechtung im Glauben ist ein Thema, das jeden Getauften Christen, der seinen Glauben ernst nimmt, immer wieder beschäftigen wird. Die Glaubenserfahrung der Kirche weiß darüber hinaus, dass der Weg in die besondere Nachfolge auch in besonderer Weise seine Prüfungen kennt.

So könnten die Überlegungen zur Vaterunser-Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" Trost sein und Ansporn zugleich: Trost, weil der Herr um unsere Schwäche weiß und dass wir uns mit ihm verbinden können, wenn die Prüfungen uns an die Grenzen des Erträglichen führen; Ansporn, dankbar zu sein für den Glauben, dankbar vor allem, wenn wir sagen können, dass uns Prüfungen im Leben haben reifen lassen, wie wir in der Reflexion auf unseren Lebensweg vielleicht erkennen können.

Aufforderung freilich auch, uns mit allen Mitchristen, die in schwerer Versuchung sind, im Gebet zu vereinen; seien es die ägyptischen Christen, die Kranken und die Kinder und alle, mit denen Sie auf unterschiedliche Weise beruflich zu tun haben.

Der Herr hat stellvertretend für uns alle Versuchungen bestanden. Bitten wir ihn zum Beginn dieser österlichen Bußzeit, dass er uns in diesen 40 Tagen neu die Schönheit und das Glück des Glaubens und des Glaubenkönnens aufgehen lässt und dass wir uns, nach seinem Beispiel, durch Fasten, Gebet und Werke der Nächstenliebe in diesem Glauben stärken lassen, auf dass wir ihn in der Osternacht - in Erinnerung unserer Taufe - neu und froh bekennen können, Amen.


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