Leben nach dem Tod

Im Protestantismus  existieren einige Sekten neuerer Zeit, z.B. die Zeugen Jehovas, die  eine materialistische Ansicht über den Tod des Menschen vertreten. Der Mensch mitsamt  seinem Bewusstsein, seinem Denken, seinem Fühlen und seinem Empfinden würde im Moment des Ablebens sterben. Bei den einen geht es dabei darum, sich der Welt bis zu einem gewissen Grad anzupassen, um weltlich gesinnte Menschen besser für die eigene Lehre und die eigene Glaubensgemeinschaft zu gewinnen. Bei den anderen geht es hingegen darum, die Totenbeschwörung und die Heiligenverehrung bessser zu bekämpfen. Zur Beweisführung führen sie aus dem Kontext gerissene Bibelstellen, falsche Bibelübersetzungen und undifferenzierte Betrachtungen biblischer Wörter an. Zudem greifen manche auch schamlos zu Fälschungen der Bibel, um ihre eigenen Thesen zu beweisen. Gerne missbrauchen sie, wie die Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas, dafür Prediger 9,5f., wo wir lesen:

„Die Lebenden wissen, dass sie  sterben werden; die Toten aber wissen gar nichts, und sie haben keinen Lohn mehr, denn ihr Name ist vergessen. Auch  ihr Leben, ihr Hassen und ihr Eifern ist längst  dahin.“

Steht  es hier nicht schwarz auf weiß, dass es kein Weiterleben der menschlichen Seele nach dem Tod gibt? In mehrerer Hinsicht eben nicht, denn es wird einfach vorausgesetzt, dass mit den Toten nicht die toten menschlichen Leiber gemeint sind, sondern auch die Seelen, von denen doch im biblischen Text oben nichts steht, so dass man, gemäß diesem Text, weder sagen kann, dass die Seele des Toten weiterlebt, noch dass sie es nicht tut. Des Weiteren wird der Rest des 6. Verses unter den Teppich gekehrt, weil hier ein Schlüsselwort enthalten ist, das uns die wahre Bedeutung des oben zitierten Prediger-Textes eröffnet – „unter der Sonne“:

„Sie haben keinen Anteil mehr an allem, was unter  der Sonne geschieht.“

Der  Text nun  im Ganzen:

„Die Lebenden wissen, dass sie  sterben werden; die Toten aber wissen gar nichts, und sie haben keinen Lohn mehr, denn ihr Name ist vergessen. Auch  ihr Leben, ihr Hassen und ihr Eifern ist längst  dahin. Sie haben keinen Anteil mehr an allem, was unter  der Sonne geschieht.“

Der Prediger beschränkt sich seiner eigenen Aussage zufolge nämlich nur auf den rein irdischen Bereich, den Bereich unter der Sonne. Hier, unter der Sonne, in unserer irdischen  Welt, wissen die Toten gar nichts, haben keinen Lohn mehr, ist ihr Name vergessen und ihr Lieben, ihr  Hassen und ihr Eifern  dahin. Hier also haben sie keinen Anteil mehr. Was mit  ihnen über diese Welt hinaus geschieht, also außerhalb der Welt, davon berichtet der Prediger-Text nichts. Ob die Toten als Geist und Seele, außerhalb ihres toten Leibes, in der geistigen Welt weiterleben, ob sie dort Wissen und Lohn haben, ob sie dort lieben, hassen und eifern, lässt der zitierte Bibeltext offen.

Prediger 9,5 wird ohne Vers 6  besonders gerne von den Zeugen Jehovas verwendet. Ohne Vers 6, also aus dem Zusammenhang gerissen, versuchen sie Bibelunkundige dann zu verführen und  irrezuführen, um sie für ihre Sekte zu fangen. Lassen Sie sich also nicht täuschen!

Es gibt einen weiteren Bibelvers, der von bezeichneten Protestanten gerne zur Täuschung und Irreführung verwendet wird, Psalm 146,4:

„Sein Geist geht hinaus; er kehrt  wieder zur Erde zurück:  am selben Tag gehen seine Pläne zurück.“

Bei diesem Vers verwenden sie zur Verführung denselben Trick, wie beim Prediger. Wie sie bei Prediger 9  nur den 5. Vers zitieren und den dazu gehörenden 6. Vers weglassen, um den Sinn zu verändern, so lassen sie hier Vers 3 weg und sagen, dass es hier deutlich stehen würde, dass der Geist (des Menschen) beim Tode „wieder  zur Erde“ zurückkehre. Wirklich? Ganz sicher nicht; denn im vorhergehenden 3. Vers lesen wir:

„Vertraut  nicht auf Vornehme, auf einen Menschen, bei dem keine Hilfe ist.“

Im Ganzen lautet der Text wie folgt:

Vertraut  nicht auf Vornehme, auf einen Menschen, bei dem keine Hilfe ist. Sein Geist geht hinaus; er kehrt  wieder zur Erde zurück:  am selben Tag gehen seine Pläne zurück.“

„Er“ bezieht sich folglich nicht auf den „Geist“, sondern auf den „Menschen“. Es heißt also, dass nicht der Geist wieder zur Erde zurückkehrt, sondern der Mensch. Der Psalmist bezieht sich bei dieser Aussage auf 1 Mo. 3,19:

„Im Schweiße Deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub  bist du und zum Staub wirst du  zurückkehren.“

In 1 Mo. 2,7 erfahren wir dann nähere Details dazu:

„Da bildete Gott, der HERR, den Menschen aus Staub vom Erdboden und hauchte den Odem des Lebens in seine Nase ein, so dass der Mensch ein lebendes Wesen wurde.“

Von der Erde  genommen wurde also  der Mensch, nicht dessen Geist oder „Odem des Lebens“, der  hingegen von oben, von Gott, in den vom Erdboden gebildeten und geschaffenen Menschen eingehaucht wurde. Es ist also ganz offensichtlich, dass es sich bei dem Menschen, von dem die Rede ist, um den menschlichen Leib mit all seinen Organen und mit seinem Blut handelt. Dem Text nach hat der Leib  (der Mensch)  ohne den Geist (Odem des Lebens) kein Leben, kein Bewusstsein, kein Gefühl, kein Empfinden, kein Denken … Erst als Gott dem vom Erdboden gebildeten leblosen Leib den Geist, den Odem des Lebens, einhaucht, beginnt der Leib zu leben:

„… so dass der Mensch ein lebendes Wesen  wurde.“

Das Leben, das Bewusstsein, das Denken, das Empfinden … ist also nicht dem vom Erdboden geschaffenen Mensch eigen, sondern dem Geist, da der Leib, der Mensch, erst durch die Vereinigung mit dem Geist zum Leben erweckt wird. Vorher  ist er ja dem Bibeltext zufolge  tot, leblos.

Wir stellen also anhand der Bibel fest, dass beim Ableben des Menschen nicht der Geist zur Erde zurückkehrt, da er direkt von oben, von Gott, kommt, sondern der Mensch, der Leib. Nach Ps. 146,3f. geht also tatsächlich nicht der Geist, der Odem des Lebens, zur Erde zurück, da er von dort nicht kommt, sondern der Mensch, der Leib:

Da bildete Gott, der HERR, den Menschen aus Staub vom Erdboden und hauchte den Odem des Lebens in seine Nase ein, so dass der Mensch ein lebendes Wesen wurde.“ (1 Mo. 2,7)

„Im Schweiße Deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub  bist du und zum Staub wirst du  zurückkehren.“ (1 Mo. 3,19)

Und das kann ja auch nicht anders sein, da der Odem nicht nur  von oben, von Gott, kommt, sondern auch, weil er ausdrücklich „Odem des Lebens“ und nicht „Odem des Todes“  bezeichnet wird. Der Odem ist Leben, und weil er  Leben ist, kann  er nicht sterben, sondern existiert von seiner Erschaffung an ewig.

Jetzt  verstehen wir mithilfe der Heiligen Schrift, , was beim Tod des Menschen, des Leibes, geschieht: So, wie der Leib durch den Geist zum Leben erweckt wird, so verliert er sein Leben, wenn ihn der Geist  wieder verlässt. So ist der Leib, der Mensch, tot und kehrt  wieder  dorthin  zurück, von  wo er 1 Mo. 2,7  zufolge genommen ist, zum Erdboden. Der Geist bleibt davon unberührt, da er nicht vom Erdboden genommen und daher nicht materieller Natur ist. Ps. 146,4  spricht daher ausschließlich vom Tod des Leibes und nicht vom Tod des Geistes, des Odems.

Im ersten Buch Samuel wird berichtet, wie König Saul eine Totenbeschwörerin aufsucht, um vom verstorbenen Propheten Samuel Auskunft über persönliche Angelegenheiten zu bekommen:

„Samuel war tot … Sie kommen nachts zu der Frau, und er (Saul) sprach: ‚Wahrsage mir durch einen Totengeist und führe mir den herbei, den ich dir bezeichnen werde!‘ … ‚Wen soll ich dir herbeirufen?‘ Er antwortete: ‚Hole mir Samuel herauf!‘ … ‚…was  siehst du denn?‘ Die Frau sprach  zu Saul: ‚Ein gottähnliches Wesen sehe  ich aus der Erde aufsteigen.‘ Er fragte sie: ‚Wie  sieht er aus?‘  Sie sagte: ‚Ein  alter Mann  steigt empor …“ Nun erkannte Saul, dass es  Samuel  war …“ (1 Sam. 28,3-14)

Zeugen Jehovas, Der Weg und andere protestantische Sekten behaupten, da sie ein Leben nach dem Tod leugnen, dass die Totenbeschwörerin nicht den Propheten Samuel heraufholte, denn Samuel sei ja tot; sondern ein Dämon in Samuels Gestalt habe sich der Frau gezeigt, um Saul zu täuschen. Wenn wir nun die ganze Stelle mit der Totenbeschwörerin lesen, stellt sich jedem die Frage, wo das hier stehen soll. Überhaupt können wir in der Bibel lange suchen; wir werden keine einzige Bibelstelle finden, die erklärt, dass der Totenbeschwörerin nicht Samuel erschienen wäre, sondern ein  Dämon in dessen Gestalt. Folglich steht diese Annahme im „luftleeren Raum“, da sie keine biblische Basis hat. Das heißt, sie ist nicht Gottes, sondern Menschenwort und daher völlig bedeutungslos!

Der von Gott inspirierte Schreiber, der 1 Sam. 28,3-14 schrieb, bezeugt hingegen, dass es sich bei jenem Geist tatsächlich um Samuel gehandelt hat; denn er  schreibt  ja nicht: „der Dämon/böse  Geist in der Gestalt Samuels sprach zu Saul“, „der Dämon/böse Geist in der Gestalt Samuels entgegnete“, „sogleich fiel Saul seiner ganzen Länge nach zu Boden und geriet in große Angst wegen der Worte des Dämons/bösen Geistes in der  Gestalt Samuels“, sondern:

Samuel sprach zu Saul“ (1 Sam. 28,15)

Samuel entgegnete“  (1 Sam. 28,16)

„Sogleich fiel Saul … und geriet in große Angst wegen der Worte Samuels.“ (1 Sam. 28,20)

Der Verfasser des ersten Samuel-Buches  selbst erklärt also, dass jener Geist Samuel und nicht irgendein Dämon in dessen Gestalt war. Gott, der diesen Bibelschreiber inspiriert hat, wird es sicherlich besser wissen, als die Zeugen Jehovas, Der Weg und andere protestantische Sektierer! Im Alten Testament ist die Stelle 1 Sam.  28 der einzige eindeutige biblische Nachweis für das Weiterleben der menschlichen Geistseele nach dem Tod des Menschen. Während der Leib des Menschen tot ist, leben Geist und Seele, wie die von Samuel, in der geistigen Welt weiter. Auch im Neuen Testament existieren einige Stellen, die eindeutig beweisen, dass man nach dem Ableben weiterlebt. Betrachten wir einmal ein Ereignis, das Jesus Christus und drei seiner Jünger erlebt haben. Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass der Prophet Moses tot ist. Und doch wird in den drei synoptischen Evangelien berichtet, dass er lebt:

„Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Moses und Elias. Die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang den er in Jerusalem erfüllen sollte.“ (Lk. 9,30-31)

Es wird ausdrücklich gesagt, dass die Propheten Moses und Elias dem Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit, in Licht, erschienen und mit ihm redeten. Anders als über Moses berichtet die Heilige Schrift an keiner Stelle vom Tod des Propheten Elias, sondern von seiner leiblichen Himmelfahrt: 2 Kön. 2. Über Moses wird hingegen berichtet, dass er starb: 5 Mo. 35 und Jud. 9.

Da nun der tote Moses dem Herrn in Herrlichkeit erschien, kommen die bezeichneten Irrlehrer an dieser Stelle gewaltig ins Straucheln. Um das Problem, in das sie hier hineingeraten, zu umgehen, haben sie sich einen bemerkenswerten Trick ausgedacht: Sie behaupten, dass das griechische Wort „optomai“, das hier mit „erschienen“ übersetzt ist, „etwas im Verstand sehen“ bedeute. Zudem würde in der Parallelstelle Mt. 17,9 mitgeteilt, dass es sich bei dieser „Erscheinung“ um „horama“, um ein „Gesicht“, um eine „Vision“ gehandelt habe, die dem Herrn und seinen Jüngern zuteil geworden sei. Der Herr und seine drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes hätten daher keine Realerscheinung gesehen, sondern sie hätten eine Vision gehabt, in der sie Moses und Elias gesehen hätten.

Die Wahrheit ist, dass „optomai“ in der Bibel für die Bezeichnung realer Erscheinungen verwendet wird, die man optisch, real sieht, was auch das griechische Wort in Wahrheit auch aussagt: etwas optisch sehen. So verwendet z.B. Lukas in der Apostelgeschichte das Wort für die reale Erscheinung des auferstandenen Herrn: Apg. 13,31:

"Eine Reihe von Tagen erschien er denen, die mit ihm von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren. Sie sind jetzt seine Zeugen vor dem Volk."

Ebenso verwendet er dasselbe Wort für die reale Engelerscheinung beim Priester Zacharias (Lk. 1,11-20), ebenso in Lk. 22,43, wonach ein Engel Jesus real erscheint und ihn stärkt:

"Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn."

Das Wort "horama", das Apostel Matthäus verwendet, bedeutet nicht, wie jene protestantischen Irrlehrer behaupten, nur "Vision" oder ein "Gesicht", sondern hat auch die Bedeutung "Erscheinung", "Anblick", "Gesehnes", "Erlebtes". Das Wort kommt im NT mehrmals vor, z.B.h in Apg. 10,3, wo es zur Bezeichnung einer realen Erscheinung verendet wird:

"... sah in einer Erscheinung um die 9. Stunde des Tages deutlich einen Engel Gottes zu sich hereinkommen, der zu ihm sprach: 'Kornelius!'"

Hier wird ganz klar eine reale Engelerscheinung beschrieben, wobei der Engel "Kornelius" ruft.  Genau so werden "optomai" und "horama" zur Bezeichnung der Erscheinung des toten Moses und des Propheten Elias verwendet. Dass es sich dabei tatsächlich um eine reale Erscheinung der Beiden gehandelt hat, wird noch durch die biblische Information belegt, dass sie mit Jesus redeten:

„Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Moses und Elias. Die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte.“ (Lk. 9,30-31)

Der tote Moses und Elias redeten mit Jesus, was ja nur möglich ist, wenn sie tatsächlich Jesus gegenüberstanden. So steht es in der Bibel schwarz auf weiß. Des Weiteren heißt es in Lk. 9,33, dass Moses und Elias von Jesus wieder geschieden sind:

„Als diese von ihm scheiden wollten, sagte Petrus zu Jesus … Während er so redete, kam eine Wolke und überrschattete sie, und Furcht erfasste sie (die drei Jünger), indes jene (Moses und Elias) in die Wolke hineinschritten.“ (Lk. 9,33-34)

Nicht irgendeine Vision entschwand, sondern ausdrücklich Moses und Elias schieden auf bezeichnete Weise von Jesus, mit dem sie soeben geredet hatten. Es benötigt eine gewaltige Portion Dreistigkeit, um das Zeugnis der Heiligen Schrift zu leugnen, es zu verdrehen und zu verfälschen und aus einer realen Erscheinung eine bloße Vision zu machen, die sich im Kopf abspielte und fern jeglicher Realität wäre, so als sei Jesus, der Herr, einer Haluzination aufgesessen gewesen, um dann mit  nicht vorhandenen Personen zu reden. Diese Protestanten machen Jesus zu einem psychiatrischen Fall! Schlimmer geht es nicht! Aber nichts anderes ist man von Protestanten gewohnt, wenn sie etwas in der Bibel finden, was ihren eigenen Lehren widerspricht.

Die Bibel sagt also ausdrücklich, dass dem Herrn der tote Moses erschienen war, der mit ihm redete. Sie lehrt also, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, aber nicht erst nach der Auferstehung der Toten. Das vermittelt uns der Herr auch in seinem Gleichnis vom armen Lazarus und dem Reichen:

Es war einmal ein reicher Mann; der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und hielt alle Tage glänzende Gelage. Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag voller Geschwüre vor seiner Tür. Gern hätte er sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen gesättigt, aber niemand gab sie ihm. Sogar die Hunde kamen und leckten an seinen Geschwüren. Da starb der Arme und wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen. Aber auch der Reiche starb und wurde begraben. Als er in der Unterwelt, von Qualen gepeinigt, seine Augen erhob, sah er von fern Abraham und Lazarus auf seinem Schoß. Da rief er: ‚Vater Abraham! Erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er eine Fingerspitze ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide große Qual in dieser Feuersglut.‘ Doch Abraham sagte zu ihm: ‚Bedenke, Kind, daß du dein Gutes in deinem Leben empfangen hast, Lazarus gleichermaßen das Schlechte. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest Qualen. Zu alledem befindet sich zwischen uns und euch eine weite Kluft, so daß keiner von hier zu euch hinübergehen und keiner von dort herüberkommen kann, auch wenn er wollte.‘ Jener fuhr fort: ‚Dann bitte ich dich, Vater, sende ihn in mein Vaterhaus. Ich habe ja noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.‘ Abraham entgegnete: ‚Sie haben Moses und die Propheten; auf die sollen sie hören!‘ ‚Nein, Vater Abraham!‘, erwiderte jener, ‚wenn aber einer von den Toten zu ihnen kommt, dann werden sie sich bekehren.‘ Doch er entgegnete ihm: ‚Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht!'“ (Lk. 16,19-31)

Anhand dieses Gleichnisses sehen wir, dass man nach dem Ableben in der geistigen Welt weiterlebt. Da dies natürlich wieder nicht in das Konzept der bezeichneten Irrlehrer passt, reden sie sich heraus, indem sie sagen, es handelte sich bei der Geschichte um kein reales Geschehen, das ein Leben nach dem Tod beschreiben würde, sondern nur um ein Gleichnis, mit dem Christus die falsche Vorstellung der Pharisäer und Schriftgelehrten über ein Leben unmittelbar nach dem Tod aufgreift, um ihnen auf dieser Basis besser ihre Schlechtigkeit als Reiche aufzuzeigen und zu verdeutlichen.

Natürlich ist diese Erklärung nicht biblisch, weil die Bibel selbst an keiner einzigen Stelle sagt, dass der Herr hier eine falsche Vorstellung, eine Irrlehre, verwendete, um mit dieser und mit ihrer Hilfe dann auf etwas Wahres hinzuweisen. Diese bloße Behauptung ist daher nichts anderes als ein Phantasieprodukt bezeichneter protestantischer Irrlehrer und ist daher völlig bedeutungslos!

Zudem ist es äußerst dreist, Jesus zu unterstellen, er habe eine Irrlehre, eine Lüge also, benutzt, um mit ihr etwas anderes, etwas Wahres zu lehren! Diese bösartige Unterstellung beinhaltet drei Dinge:

(a) Mit der Verwendung dieser angeblichen Irrlehre, einer angeblichen Lüge, habe Christus alle in diesem angeblichen Irrtum belassen, die ihn geglaubt hätten, (b) er habe sie aber nicht nur in diesem angeblichen Irrtum belassen, sondern sie auch mit der Verwendung dieses angeblichen Irrtums in diesem obendrauf bestärkt

(c) und er habe auf diese Weise andere Zuhörer zu diesem Irrtum hingeführt. Kurz gesagt: Jesus habe seine Zuhörer mit einer Irrlehre belogen und in die Irre geführt!

Jesus aber sagte über sich selbst: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben …“ (Joh. 14,6)?

Da also Jesus Christus der Weg und die Wahrheit ist, so hat er folglich nie Irrlehren benutzt; und da er keinerlei Irrlehren benutzt hat, so enthält auch sein Gleichnis keine Irrlehren. Es sind nur die genannten Irrlehrer, die die Bibel missbrauchen, verdrehen und fälschen, um ahnungslose Menschen zu verführen und sie für ihre Sekte einzufangen.

Ich fasse kurz zusammen: Jener Totenbeschwörerin erschien Samuel, der gemäß der Bibel zu Saul redete, dem Herrn erschien Moses, der mit ihm redete, und der Herr lehrt uns im obigen Gleichnis, dass man, wie Lazarus und der Reiche, unmittelbar nach dem Ableben weiterlebt. Tot ist, so die Bibel, nur der Leib; als Geist-Seele lebt man jedoch weiter. Um das besser zu verdeutlichen unterscheidet Apostel Paulus zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen:

Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Mensch Tag für Tag erneuert.“ (2 Kor. 4,16)

Der äußere Mensch, der aufgerieben wird, ist der Bezeichnung nach der sichtbare, der fleischliche, jener, den Gott nach 1 Mo. 2,7 „aus Staub vom Erdboden“ geschaffen hat, der menschliche Leib; der „innere Mensch“, der Tag für Tag erneuert wird, ist der innere, der unsichtbare, der geistige. :

„denn was sichtbar ist, ist zeitlich/vergänglich; was aber unsichtbar ist, ist ewig.“ (2 Kor. 4,18)

Das Sichtbare, das materiell ist, ist zeitlich, vergänglich, und das ist der “äußere Mensch“, der für das Auge sichtbar ist. Der „innere Mensch“, der geistige, ist ewig, weil er nicht materiell und damit nicht sichtbar ist. Der „innere Mensch“, der geistige und unsichtbare mit seinem Geist und seiner Seele, bleibt also ewig bestehen, und damit auch sein unsichtbares Leben und Bewusstsein. Deshalb konnte sowohl der verstorbene Prophet Samuel zu Saul als auch der verstorbene Prophet Moses mit Jesus Christus reden, während ihr äußerer Mensch schon lange tot im Grabe lag.

Gehen wir weiter im Neuen Testament: Der Verfasser des Hebräerbriefes berichtet im 11. Kapitel über die Heiligen und Märtyrer und erklärt darauf folgend:

"So lasst denn auch uns, von einer so großen Wolke von Zeugen umgeben, abwerfen alle hemmende Last ..." (Hebr. 12,1)

Die "Wolke von Zeugen", von denen der Schreiber hier spricht, sind die soeben aufgezählten Heiligen und Märtyrer, von denen er im Heiligen Geist sagt, dass sie uns Christen umgeben. Sie sind um uns herum, sagt er, und nicht tot im Grabe. Tot im Grabe ist nur ihr äußerer Mensch, der aus Staub vom Erdboden Gemachte, der Leib.

In seinem ersten Brief schreibt der Apostelfürst Petrus:

"Denn auch Christus starb einmal für die Sünden ..., nach dem Fleische zwar zu Tode gebracht, dem Geiste nach aber lebendig gemacht." (1 Petr. 3,18)

Hier vernehmen wir das genaue Gegenteil von dem, als was jene Irrlehrer sagen, das Christus nach seinem Ableben gänzlich tot gewesen sei bis er von den Toten auferstanden war. Der Apostel Petrus aber sagt, dass er dem Fleische nach starb, aber dem Geiste nach lebte. Sein äußerer Mensch lag tot im Grabe, während sein innerer, geistiger Mensch weiterlebte. Gleich nach dieser Stelle erklärt der hl. Petrus:

"Im Geiste ging er auch hin zu den Geistern im Gefängnis und predigte ihnen, die einst nicht gehorchen wollten, als in den Tagen Noahs Gottes Langmut zuwartete und die Arche gebaut wurde ..." (1 Petr. 3,19f.)

Bei diesen Geistern, zu denen der Herr nach seinem Ableben ins Gefängnis gegangen war, handelte es sich dem Text nach um jene, von denen das erste Buch Moses berichtet, die Menschen, die immer schlechter wurden bis sie schließlich von der Sintflut hinweggerafft wurden. Seither lebten sie als Geister im Gefängnis in der geistigen Welt, bis ihnen Christus nach seinem Ableben dort predigte, und zwar das Evangelium:

"Denn deshalb wurde auch Toten das Evangelium verkündet ..." (1 Petr. 4,6)

Und das ging nur, weil sie nicht im materialistischen Sinne tot waren, sondern lebten, und zwar im Gefängnis in der geistigen Welt, während ihre Leiber tot in der Erde lagen.

Es ist völlig unverständlich, wie jemand, der die Bibel preist, ihre Worte und Lehren nicht annehmen will, sondern sie stattdessen verdreht und fälscht, um so zu gewünschten Ergebnissen zu kommen. Offensichtlich steckt bei der Bibelpreisung im Protestantismus nichts dahinter. Es geht nur darum, die Bibel zu missbrauchen, um unter biblischem Anschein die eigenen Lehren, die man sich selbst zusammengereimt hat, besser als wahr zu postulieren. Ein Betrug, auf den viele Menschen hereinfallen, weil sie keine Bibelkenntnisse besitzen!

________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Nachtrag I

Im Anhang ihrer Neue-Welt-Übersetzung der Bibel unter „Biblische Gesprächsthemen“ (40. Tod, B. Zustand der Toten) fasst die Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas Ez. 18,4, Jes. 53,12 und Hi. 11,20 wie folgt zusammen: „Der Mensch, die Seele, stirbt. Die Übersetzung dieser Bibelverse in der Neue-Welt-Übersetzung lautet von daher:

Siehe! Alle Seelen – mir gehören sie. Wie die Seele des Vaters, ebenso die Seele des Sohnes – mir gehören sie. Die Seele, die sündigt – sie selbst wird sterben.“ (Ez. 18,4)

Aus diesem Grund werde ich ihm (Jesus Christus) einen Anteil geben unter den vielen, und mit den Mächtigen wird er die Beute verteilen dafür, daß er in den Tod seine Seele ausschüttete, und den Übertretern wurde er zugezählt.; und er selbst trug die Sünde vieler, und er ging daran, für die Übertreter vermittelnd einzutreten.“ (Jes. 53,12)

Und die Augen der Bösen sind es, die versagen werden; Und ein Zufluchtsort wird ihnen bestimmt entschwinden, Und ihre Hoffnung wird ein Verscheiden der Seele sein.“ (Hi. 11,20)

Wie die Kurzzusammenfassung zeigt, soll mithilfe dieser Bibelstellen der Tod der menschlichen Seele bewiesen werden. Betrachten wir daher ersteinmal Ez. 18,4, wo in der Neue-Welt-Übersetzung davon die Rede ist, dass „die Seele, die sündigt“, selbst sterben würde. Steht es hier nicht schwarz auf weiß, dass die Seele des Menschen sterben würde? Ganz klar nicht, denn es heißt ja gemäß der Neue-Welt-Übersetzung, dass lediglich die Seele sterben wird, die sündigt, nicht aber die Seele, die nicht sündigt. Wäre nun diese Aussage auf den natürlichen Tod gemünzt, dann würde das bedeuten, dass die Seele, die nicht sündigt, den natürlichen Tod nicht erfahren würde, sie würde nicht sterben. Und doch wissen wir, dass auch der gerechte Mensch stirbt:

Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke von oben bis unten; und die Erde bebte und die Felsen spalteten sich und die Gräber öffneten sich und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf. Und nach seiner (Jesu) Auferstehung gingen sie aus den Gräbern hervor, kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.“ (Mt. 27,51-53)

Somit wird klar, dass sich das Wort „nephesh“ in Ez. 18,4 nicht auf einen separaten Teil des Menschen, auf die menschliche Seele selbst, bezieht, sondern auf den Menschen an sich, auf die menschliche Person, die der verwendeten Übersetzung zufolge sterben würde, wenn sie sündigte, während die Person, die nicht sündigte, demnach nicht sterben würde. Die Stelle kann sich daher unmöglich auf den Tod der Seele beziehen. Was hier gemeint ist, zeigt uns der Textzusammenhang. Denn sogleich nach Ez. 18,4 heißt es den 4. Vers erläuternd:

"Und wenn jemand, gerecht ist und Recht und Gerechtigkeit übt, auf den Bergen nicht (Opferfleisch) isst und seine Augen nicht zu den Götzen des Hauses Israel erhebt und die Frau seines Nächsten nicht unrein macht und sich einer Frau  (zur Zeit ihrer Absonderung) nicht naht und niemanden unterdrückt, das Pfand des Schuldners zurückgibt, keinen Raub begeht, sein Brot dem Hungernden gibt und den Nackten mit Kleidung bedeckt, auf Zins nicht gibt und Aufschlag nicht nimmt, seine  Hand vom Unrecht zurückhält, rechtes  Gericht übt zwischen Mann und Mann, in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen hält, um sie treu zu befolgen: Gerecht ist er. Leben soll er, spricht der Herr der Heerscharen. Zeugte dieser aber einen verbrecherischen Sohn, der Blut vergießt und eines von diesen Dingen tut … er isst z.B. auf den Bergen (Opferleisch), schändet die Frau seines Nächsten, unterdrückt den Armen und Elenden, begeht Räubereien, gibt das Pferd nicht zurück, erhebt sein Antlitz zu den Götzenbildern, vollbringt Abscheuliches, leiht auf Zins und nimmt Zuschlag an – der bleibt keinesfalls am Leben. All diese Greuel hat er verübt; sterben muss er; seine Blutschuld lastet auf ihm.“ (Ez. 18,5-13)

Dieser Text macht also deutlich, dass  Vers 4 nicht  vom Tod der Seele spricht, sondern von der Todesstrafe, die das mosaische Gesetz für die aufgezählten Gräueltaten fordert: Ein Mensch, der nach den Geboten und Weisungen Gottes lebt, soll leben, heißt es in Vers 9, während der Mensch, der die aufgezählten Gräuel verübt, "sterben muss". Über ihn sollte die Todesstrafe verhängt werden. In diesem Zusammenhang stellen  wir fest, dass die Übersetzung „Die Seele, die sündigt – sie selbst wird sterben.“ falsch und irreführend ist, weil der hebräische Text keineswegs besagt, dass jeder, der schwer sündigt, also nicht in Gerechtigkeit wandelt, auf jeden Fall sterben werde, sondern sterben soll. Das ist ein göttlicher Auftrag im Hinblick auf die Todesstrafe, weshalb  die protestantische  Elberfelder Bibelübersetzung Vers 4 in dieser Hinsicht richtig wiedergibt:

"... Die Seele, die sündigt, sie (allein)  soll sterben."

Somit wird auch deutlich, dass das Wort „nephesh“ in Ez. 18,4 besser mit „Person“ denn mit „Seele“ übersetzt  werden sollte:

Siehe! Alle Personen – mir gehören sie. Wie die Person des Vaters, ebenso die Person des Sohnes – mir gehören sie. Die Person, die sündigt – sie selbst/allein soll (nicht „wird“) sterben.“ (Ez. 18,4)

Statt sich bei der Übersetzung an der Bibel und ihren textlichen Zusammenhängen zu orientieren, orientiert sich die Wachturmgesellschaft an ihrer eigenen Lehre und passt die Bibel an sie an. Wenden wir uns nun Jes. 53,12 zu, wo es nach der Neue-Welt-Übersetzung heißt, dass der Messias seine Seele in den Tod ausschüttete. Starb also die menschliche Seele des Messias mit seinem Tod am Kreuz? Ganz klar nicht, denn vom Apostelfürsten Petrus erfahren wir, dass Christus nach seinem Tod am Kreuz dem Geiste nach zu den Geistern ins Gefängnis ging und ihnen predigte:

Ist ja auch Christus einmal für unsere Sünden gestorben …, getötet zwar dem Fleische nach, aber lebendig gemacht dem Geiste nach. In diesem (im Geiste) ist er auch hingegangen und hat den Geistern, die im Gefängnisse waren, gepredigt, die einst ungläubig waren, als sie in den Tagen Noes sich auf Gottes Langmut verließen, während die Arche gebaut ward ...“ (1 Petr. 3,18-19)

Die menschliche Seele Jesu, die geistiger Natur ist, war vom Tod also nicht betroffen. Christus starb dem Text  nach zwar dem Fleische nach aber nicht dem Geiste nach. Seine Seele lebte weiter. Somit ist das hebr. Wort „nephesh“ in Jes. 53,12 auch nicht so zu übersetzen, wie es die Wachturmgesellschaft tut, nämlich mit „Seele“, sondern mit „Leben“:

... dafür, dass er sein  Leben in den Tod dahingab ...“

Christus gab also nicht seine Seele in den Tod dahin, sondern sein menschliches Leben. Und was nun Hi. 11,20 betrifft, wonach gemäß der Neue-Welt-Übersetzung die Seele verscheidet, stirbt, so handelt es sich hierbei um eine falsche Übersetzung des hebr. Wortes „mappbāh“, das „Seufzen“, „Aushauchen“ (zur seelischen Erleichterung) und nicht „Verscheiden“ bedeutet:

Aber die Augen der Gottlosen werden matt/verschmachten und die Zuflucht wird ihnen schwinden und ihre Hoffnung wird ein Seufzen/Aushauchen der Seele sein.“ (Hi. 11,20)

Der Text beschreibt eine seelische Bedrückung, bei der die Seele seufzt oder zur Erleichterung aushaucht, aber nicht verscheidet.

Wir sehen, wie die Wachturmgesellschaft in ihrer Neue-Welt-Übersetzung Bibelstellen  ihrer eigenen Lehre anpasst, um auf diese Weise zu suggerieren, sie sei biblisch und somit richtig. Aber sie ist es nicht, weshalb der Prophet Samuel nach seinem irdischen Ableben der Totenbeschwörerin und der Prophet Moses dem Herrn und seinen drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes erschienen sind.

Erstellt mit Mozello - dem schnellsten Weg zu Ihrer Website.

 .