Die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens

Die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens, die von der katholischen Kirche gelehrt wird, wird von den Protestanten bestritten. Sie beziehen sich, um ihre Position zu beweisen, auf verschiedene Bibelstellen, die sich angeblich gegen diese Lehre richten. Ich will nun auf diese Bibelstellen einzeln eingehen:


Lk. 2,22: „Und als die Tage ihrer Reinigung sich nach dem Gesetz des Moses erfüllten, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen, wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn …"

Protestanten behaupten, dass die vorgeschriebene Reinigung, der sich Maria nach Lk. 2,22 unterzog, belegen würde, dass Maria bei der Geburt Jesu ihre Jungfräulichkeit verloren habe.  Doch die Reinigung Mariens ist kein Beweis dafür, dass Maria ihre Jungfräulichkeit bei der Geburt Christi verloren hat, denn auch Jesus selbst, der ohne Sünde war, unterzog sich der johanneischen Bußtaufe (Mt. 3,13; Mk. 1,9; Lk. 3,21). So wie nun aus der Bußtaufe Christi nicht zu schlussfolgern ist, dass Jesus ein Sünder war, so ist auch aus der kultischen Reinigung seiner Mutter nicht zu schlussfolgern, dass sie durch seine Geburt ihre Jungfräulichkeit verloren hat. Dass Lukas die kultische Reinigung Mariens überhaupt erwähnt, liegt ganz einfach daran, dass er Maria als gesetzestreue Jüdin bezeugen wollte.

Nun gibt es in der Bibel auch mehrere Hinweise und Belege dafür, dass Maria durch die Geburt ihres Sohnes Jesus Christus ihre Jungfräulichkeit tatsächlich nicht verloren hat. In Offb. 12,1-5 vernehmen wir über die Geburt Christi:

„Eine Frau, mit der Sonne bekleidet … sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker hirten wird mit ehernem Zepter.“

Und gemäß dem messianischen Psalm 22 lässt der Psalmist Christus zum Vater sagen:

„Du (Gott) zogst mich (Jesus Christus) aus dem Mutterschoß“ (Ps. 22,10)

Anhand dieser beiden Bibelverse sehen wir, dass es sich bei der Geburt unseres Herrn Jesus Christus nicht um eine gewöhnliche Geburt handelte, sondern um eine außergewöhnliche, übernatürliche, die voller Sanftheit und Glorie war. Der Völkerhirte, von dem in Offb. 12,5 die Rede ist, ist, so zeige ich hier auf, Jesus Christus. Die himmlische Frau, die ihn geboren hat, ist, wie ich ebenfalls hier aufzeige, Maria, seine Mutter. Nach Offb. 12,1 war Maria zum Zeitpunkt der Geburt Jesu Christi „mit der Sonne“ bekleidet. In Ps. 84,12 lesen wir:

„Denn Gott, der HERR, ist Sonne und Schild.“

Gott ist also die Sonne, das Licht, das nach Offb. 12,1-5 Maria zum Zeitpunkt der Geburt Jesu Christi umhüllte und schützte. Das korrespondiert mit Ps. 22,10, wonach Gott selbst  Jesus aus dem Mutterschoß zog. Gemäß der Bibel handelte es sich bei der Geburt Christi also um eine übernatürliche Geburt, die mit der Geburt der übrigen Menschen nicht zu vergleichen ist und in der Geschichte der Menschheit daher einmalig war: Maria gebar Jesus Christus im Licht Gottes und in Reinheit, und Gott selbst, der dieses Licht ist, zog ihn aus ihrem Mutterschoß. Gott bewahrte Maria also vor jeglichem Schaden, und damit auch vor der Verletzung und Zerstörung ihres Jungfernhäutchens, denn die "Sonne", das Licht, „bekleidete“ ihren Leib. Die Jungfrauengeburt ist im Alten Testament auch buchstäblich vorhergesagt:

„Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.“ (Jes. 7,14)

Wir sehen hier Maria Christus nicht als Jungfrau empfangen, sondern ihn auch als Jungfrau gebären: „die Jungfrau wird … gebären“. Die Aussage bei Jesaja ist: Die Jungfrau empfängt und gebiert; sie ist also Jungfrau zum Zeitpunkt der Empfängnis Jesu Christi und Jungfrau zum Zeitpunkt seiner Geburt! Weder Maria noch ihr Kind Jesus sind also bei seiner Geburt unrein geworden, da Maria IHN nach Jes. 7,14 jungfräulich geboren hat. Noch eine sehr schöne Botschaft steckt in dieser Tatsache verborgen: Jesus ist nicht gekommen, um unrein zu machen, sondern um die Reinheit zu bewahren und rein zu machen! Deshalb war die Reinigung Mariens nur ein kultischer Akt, den sie vollzog, um der Gerechtigkeit willen das mosaische Gesetz zu erfüllen!

Die protestantische Lehre vom Verlust der Jungfräulichkeit Mariens bei der Geburt Jesu Christi ist folglich ein protestantisches Märchen, eine Fabelei (1 Tim. 4,4).


Mt. 1,25: „Und er (Josef) erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar, und er gab ihm den Namen ‚Jesus‘.“

Josef hatte also kein Geschlechtsverkehr mit seiner Verlobten Maria bis sie Jesus Christus geboren hat. Folglich soll das den protestantischen Irrlehrern zufolge bedeuten, dass er sie danach erkannte. Solchen Unfug kann nur jemand von sich geben, der weder Ahnung von der Bibel noch von dem jüdischen Sprachgebrauch der damaligen Zeit hat. Das Wort „bis“ beschreibt dem damaligen jüdischen Sprachgebrauch zufolge einen Sachverhalt, der sich ausschließlich auf den bezeichneten Zeitraum bezog, über den hinaus keinerlei Auskunft gegeben wird. Einige biblische Beispiele:

Wenn es in 2 Sam. 6,23 heißt, dass Michal, die Tochter König Sauls, bis zu ihrem Tod kinderlos blieb, dann heißt das nicht, dass sie nach ihrem Tod wiedergeboren wurde, um dann Kinder zu bekommen.

Wenn nach Ps. 110 Christus zur Rechten des Vaters sitzt, bis der Vater ihm seine Feinde unterworfen hat, dann heißt das nicht, dass er in der Zeit danach entmachtet sein wird.

Und wenn Christus nach Mt. 28,20 sagt, dass er alle Tage bis zum Ende der Welt bei seinen Aposteln bleibt, dann heißt das nicht, dass er sie nach dem Ende der Welt verlassen wird.

Oder wenn Paulus in Phil. 2,8 schreibt, dass Christus „bis zum Tod am Kreuz“ gehorsam war, dann heißt das nicht, dass er danach ungehorsam und somit Sünder wurde.

Genauso auch hier: Wenn es heißt, dass Josef seine Frau Maria während ihrer gesamten Schwangerschaft nicht erkannte (bis sie einen Sohn gebar), so bedeutet das nicht, dass er sie danach erkannte.     

Dass Matthäus das überhaupt erwähnt, liegt einfach nur daran, dass er Josef als einen gesetzestreuen Mann bezeugen wollte, denn der Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft war dem Gesetz nach untersagt! Deshalb bezeugt Matthäus einige Zeilen zuvor Josef als einen Gerechten: „Josef, ihr Mann, der gerecht war ...“ (Mt. 1,19) Da Josef ein Gerechter war, so hat er sich an Gottes Gesetz gehalten, das den Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft verbietet.



Lk. 2,7: „und sie (Maria) gebar ihren erstgeborenen Sohn …“

Jesus ist der erstgeborene Sohn Mariens, heißt es, und das soll, so die Protestanten, angeblich bedeuten, dass sie noch weitere leibliche Söhne gehabt hätte. Doch die Formulierung „erstgeborener Sohn“ in diesem Bibelvers sagt nicht das aus, was sich protestantische Irrlehrer zurechtfabulieren, nämlich dass Maria noch weitere Söhne gehabt hätte, weil Christus ihr Erstgeborener war. Die Bezeichnung „Erstgeborener“ oder „erstgeborener Sohn“ war im damaligen Judentum grundsätzlich der Titel des Sohnes, der als Erster geboren wurde, unabhängig davon, ob die Mutter danach weitere Söhne gebar oder nicht. Das belegt auch eine jüdische Grabinschrift aus dem Jahr 5 v. Chr., die lautet: „Bei den Geburtswehen meines erstgeborenen Kindes führte mich das Schicksal an das Ende des Lebens.“ Die Frau starb während der Geburt ihres „erstgeborenen Kindes“ und hatte daher kein zweitgeborenes Kind! Wenn Evangelien von Christus als den „Erstgeborenen“ oder den „erstgeborenen Sohn“ sprechen, dann liegt darin also keine Aussage vor, dass Maria nach Jesu Geburt noch einen Zweitgeborenen oder Dritt- oder Viertgeborenen hatte.



Mt. 13,55-56 / Mk. 6,3: „Und seine Brüder Jakobus, Josef, Simon und Judas? Und sind nicht seine Schwestern bei uns?“ / „Ist er nicht … der Bruder des Jakobus, Joses und des Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern bei uns?“

Auch diese Bibelstellen sind kein Beweis dafür, dass Maria neben Jesus noch weitere leibliche Kinder hatte. Nur die protestantischen Irrlehrer und ihre Anhänger glauben, dass diese Bibelstellen ein Beweis dafür wären, dass Maria neben Jesus noch weitere leibliche Kinder gehabt hätte. Sie wissen nicht, dass in der damaligen Zeit die Bezeichnungen „Bruder“ und „Schwester“ weitgefasster waren als heute. Im damaligen jüdischen bzw. biblischen Sprachgebrauch konnten sie leibliche Geschwister, Vettern und Cousinen und überhaupt Verwandte bis hin zum Volksgenossen meinen. Ein biblisches Beispiel: Nach 1 Mo. 12,5 war Lot der Neffe Abrams:

„Abram nahm seine Frau Saraj und seinen Neffen Lot …“

In 1 Mo. 13,8 sagt Abram zu Lot:

„Es soll doch kein Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten, denn wir sind ja Brüder!“

Obwohl Lot der Neffe Abrams war, war er sein Bruder! Wenn die Bibel also von Brüdern und Schwestern Jesu Christi spricht, so ist daraus nicht zu ersehen, ob es sich dabei um leibliche Geschwister oder z.B. um Vettern und Cousinen gehandelt hat. In Mt. 13,55-56 und Mk. 6,3 werden vier „Brüder“ Jesu bezeugt (s.o.): Jakobus, Josef/Joses, Simon und Judas, und zwei dieser „Brüder“, Jakobus und Josef/Joses werden in Mt. 27,56 und Mk. 15,40 als Söhne einer anderen Maria genannt:

„Unter ihnen (den Frauen) war Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Josef …“

„Auch Frauen schauten von weitem zu, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus des Jüngeren und des Joses …“

Wobei es sich bei dieser Maria nach Joh. 19,25 um die „Schwester“ der Gottesmutter handelte, die die Frau des Kolpas war:

„Es standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.“

Demzufolge gibt es keine biblischen Beweise dafür, dass es sich auch bei den anderen beiden „Brüdern“ Jesu (Simon und Judas) um dessen leibliche Brüder und bei den „Schwestern“ um dessen leibliche Schwestern gehandelt hat. Dass aber auch Simon und Judas keine leiblichen Söhne Mariens waren, belegt Joh. 19,26-27:

„Als nun Jesus seine Mutter sah und neben ihr stehend den Jünger, den er liebte, sprach er zur Mutter: ‚Frau, siehe, dein Sohn!‘  Darauf sprach er zum Jünger: ‚Siehe, deine Mutter!‘ Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

In Anbetracht seines kommenden Todes übergab Jesus seine Mutter seinem Lieblingsjünger Johannes zur Obhut. Was bedeutet das? In der damaligen Zeit und jüdischen Kultur war es die Aufgabe leiblicher Söhne, sich um die Mutter, die Witwe war, zu kümmern. Da nun keine da waren, gab Jesus sie seinem Lieblingsjünger Johannes zur Obhut. Bis dahin hatte sich Jesus gemäß dem vierten Gebot um seine Mutter gekümmert. Da nun sein Tod kurz bevorstand, musste er für sie vorsorgen; und er tat es, indem er sie Johannes übergab. Jetzt hatte sich Johannes um sie zu kümmern! Maria hatte folglich keine anderen leiblichen Söhne, die dann diese Aufgabe zu übernehmen gehabt hätten! Somit waren auch Simon und Judas keine leiblichen Söhne Mariens!

Desweiteren findet sich in der Bibel keine einzige Stelle, die von Kindern Mariens oder von Söhnen und Töchtern Mariens sprechen würden, sondern immer nur von Brüdern und Schwestern Jesu, so z.B. in Apg. 1,14, wo es nicht heißt:

 „Diese alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und ihren (übrigen) Söhnen“, sondern:

 „... und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ 

Dasselbe im Johannes-Evangelium: Hier steht nicht:

„Darauf zog er hinab nach Kapharnaum, er und seine Mutter und ihre übrigen Söhne und seine Jünger“, sondern: „... er und seine Mutter und seine Brüder und Jünger.“ (Joh. 2,12)

Es ist also nicht einzusehen, wie die Protestanten darauf kommen, dass Maria neben Jesus noch weitere Söhne und Töchter gehabt hätte. Da die Bibel keine Söhne und Töchter Mariens bezeugt, die vier genannten „Brüder“ Jesu andere Mütter hatten und die Bezeichnungen „Brüder“ und „Schwestern“ auch Verwandte meinen können, ist die Behauptung, Jesu Geschwister seien seine leiblichen Geschwister gewesen, ein protestantisches Märchen.

Wir stellen also fest: Biblisch gesehen sind zumindest die „Brüder“ Jesu keine leiblichen Söhne Mariens. Bei den „Schwestern“ Jesu bleibt es bis jetzt biblisch gesehen offen, ob sie leibliche Töchter Mariens waren oder nicht. Bis jetzt gibt es also weder einen biblischen Beweis dafür, dass die Protestanten recht hätten, noch, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehre von der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens recht hätte. Und doch existiert eine Bibelstelle, die der katholischen Kirche Recht gibt und die von den Protestanten übersehen wird. Es handelt sich um Lk. 1,34:

Nachdem der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria einen Sohn – den Messias – verheißen hatte, fragte sie ihn:

„Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkennen werde?“

Das griechische Wort „ginōskō“ („erkennen“) steht hier in Präsenz Durativ und bezeichnet einen Zustand, der auch in Zukunft so bleiben wird, wie er jetzt ist. Da dies in deutscher Übersetzung nicht zum Ausdruck kommt, ist das Wort hier in Futur übersetzt, weil es, dem griechischen Text gemäß, in Futur den bleiben Zustand besser zum Ausdruck bringt. Mit dieser Aussage erklärt Maria dem Engel des Herrn, dass sie sich im Stand sexueller Enthaltsamkeit befinde, in dem sie auch in Zukunft bleiben würde, also auch in ihrer Ehe mit Josef. Dies besagt also, dass sie, noch bevor der Engel zu ihr kam, beschlossen hatte, ihr Leben lang sexuell enthaltsam zu bleiben. Da sie sexuell enthaltsam bleibt, auch in der Ehe mit Josef, so weiß nun jeder Bibelkundige, dass die Jüdin Maria, die zudem noch die Magd Gottes war, nach dem mosaischen Gesetz Gott, ihrem Herrn, ein Keuschheitsgelübde gelobt hat:

„Gelobt eine weibliche Person dem Herrn etwas, oder legt sie sich ein Keuschheitsgelübde auf, solange sie noch ledig im Hause ihres Vaters lebt, so sind ihre Gelübde gültig …, doch muss ihr Vater von dem Gelübde und ihrer Enthaltung … erfahren und dazu schweigen. Wehrt ihr Vater an dem Tage, da er davon hört, so haben alle ihre Gelübde und Keuschheitsgelübde … keine Gültigkeit … Und wenn sie etwa die Frau eines Mannes wird, während ihre Gelübde auf ihr lasten …, so haben ihre Gelübde und ihre Enthaltung … Gültigkeit, doch muss ihr Mann an dem Tage, da er davon erfährt, schweigen. Wehrt ihr Mann an dem Tage, da er davon erfährt, so macht er das Gelübde … ungültig ...“ (4 Mo. 30,4-9)

Demzufolge hat die Magd Gottes, Maria, entweder noch zu Lebzeiten ihres Vaters oder danach, aber noch vor der Verlobung mit Josef, Gott ein Keuschheitsgelübde gelobt. Hat sie das Gelübde zu Lebzeiten ihres Vaters Gott gelobt, muss der Vater an dem Tag, da er davon gehört hat, dazu geschwiegen haben, und ihr Gelübde war gültig. Als sie sich dann mit Josef verlobt hat, was schon, anders als heute, einer Ehe gleichkam, musste sie ihm von ihrem Gelübde erzählt haben; und auch er schwieg dazu, so dass ihr Gelübde weiterhin gültig war, weshalb sie dem Engel auch mit aller Sicherheit sagen konnte, dass sie allzeit keinen Mann erkennt.

Maria selbst also sagt nach Lk. 1,34, dass sie niemals Geschlechtsverkehr haben werde, dass sie immer Jungfrau bleibt. Deshalb ist die kirchliche Lehre von der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens richtig, während die Protestanten mit ihrer Verneinung der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens falsch liegen!

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