Rundbrief von Pater Karl Stehlin
 
Leitthema 2018: Durch das unbefleckte Herz Mariens zum heiligsten Herzen Jesu

Liebe Ritter der Immaculata!

Das Jubeljahr 2017 geht seinem Ende zu. Viele fragen sich, was in diesem Jahr geschehen ist. Viele erwarteten eine besondere Intervention des Himmels, ähnlich wie vor 100 Jahren das Sonnenwunder. Andere ersehnten sich, dass das ganze dritte Geheimnis von Fatima geoffenbart würde, und alle wünschten sich so sehr, dass in diesem Jahr Russland dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht würde. Alle diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Im Gegenteil, man könnte sagen, dass es in der Kirche schlimmer denn je aussieht, und es ist zu befürchten, dass Fatima nach diesem Jahr bei vielen mehr oder weniger in Vergessenheit gerät.

Wer aber etwas tiefer blickt, der muss gestehen, dass die Immaculata in diesem Jubeljahr ganz besonders gewirkt hat: Zu Beginn des Jahres waren es ungefähr 20 000 Ritter in der MI, am Ende des Jahres stellen wir dankbar fest, dass die Immaculata unsere Gebete erhört und unser Wirken gesegnet hat, indem sie 100 000 Ritter um sich geschart hat.

Die Fußwallfahrt Mariens durch die Philippinen hat diesem Land unsagbare Gnaden geschenkt, oft mit wirklichen Wundern ihrer Barmherzigkeit verbunden. In vielen Ländern ist die MI aufgeblüht, zusammen mit einem vertieften marianischen Leben von Seiten vieler Gläubigen. Nie zuvor gab es so viele Kontakte mit Priestern und Ordensleuten, die angezogen vom Geheimnis von Fatima sich der Tradition näherten.

Wenn man noch tiefer blickt, so gewahrt man eine ganz besondere Gnade, die uns die Immaculata bereitet hat: Wer sich ernstlich bemüht hat in diesem Jahr, der wurde von ihr selber tiefer eingeführt in ihr Herzensgeheimnis. Wie viele Zeugnisse solcher Art haben wir erhalten: „Noch nie habe ich Maria so tief verstanden ... Noch nie habe ich ihre Liebe so sehr erfahren als in diesem Jahr ... Mehr denn je wird mir bewusst, wie notwendig sie ist in meinem ganzen Leben ... Besser denn je zuvor durfte ich die Ganzhingabe leben!"

Dieses Fatimajahr war demnach die Enthüllung des Kostbarsten in Maria: ihr Herz – voller Gnaden, ihr Herz – uns geschenkt, was bedeutet, dass sie jedem alle Gnaden der Bekehrung und Heiligung schenken will. Diese 100-Jahrfeier der Militia Immaculatae hat nicht nur viele neue Ritter hervorgebracht, sondern allen Rittern gezeigt, wie sehr sie ihrer Herrin vertrauen dürfen, und dass uns durch sie, die Braut des Heiligen Geistes, alle seine Gaben und Früchte ins Herz gelegt werden. 

Wer immer sich IHR nahte in diesem Jahr, der kam aus dem Staunen nicht heraus über ihre Größe und Majestät, ihre königliche Macht und mütterliche Liebe, über ihre so große Barmherzigkeit.

Nun aber wäre es ein großer Irrtum zu denken: „Wir haben nun genügend über Maria meditiert, jetzt muss wieder mal etwas anderes kommen. Alles drehte sich im vergangenen Jahr um Fatima, jetzt ist mal ein Wechsel notwendig."

DAS GEGENTEIL IST DER FALL: Wenn wir in die Tiefen des unbefleckten Herzens Mariens eindringen durften, dann deshalb, weil Maria uns nun ganz an sich ziehen will, um uns das Wichtigste zu sagen und zu zeigen, was IHR mütterliches Herz bewegt. Maria will nie etwas für sich! Alle Ehre und Verherrlichung, die ihr geschenkt wird, will sie unbedingt weiterleiten zu ihrem Sohn: Der tiefste Seinsgrund des unbefleckten Herzens und das eigentliche Ziel aller Gnadenstätten und Erscheinungen Mariens ist es, uns in alles einzuführen, was das Herzensgeheimnis ihres Sohnes ist.

Und damit kommen wir zum neuen Jahr 2018, das sozusagen eine Entdeckungsfahrt werden muss, bei der das Kind an der Hand und unter der Leitung der Mutter den größten Schatz und die kostbarste Perle finden darf. SIE hat nur einen Wunsch: einzutauchen in das Herz Gottes, das uns die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe seiner Liebe enthüllt (vgl. Eph 3,18). Tatsächlich hat niemand tiefer und besser das hl. Herz Jesu verstanden und geliebt als Maria. Deshalb gibt es keinen anderen Zugang zum tiefsten Geheimnis des Heilands, als eben im und durch das unbefleckte Herz Mariens.

Und wir werden niemals aus dem Staunen herauskommen, wenn wir entdecken, wer Jesus tatsächlich ist, worin das Geheimnis SEINES Herzens besteht. Nur wenn wir ganz im Herzen Mariens angesiedelt sind, wird Christus uns seine tiefsten Geheimnisse erschließen, die er den Kleinen und Demütigen vorbehalten hat.

Wir müssen also unbedingt die Gefahr meiden, beide Andachten nebeneinander zu verstehen: einerseits die Andacht zum Herzen Mariens, anderseits der Kult des Herzens Jesu! Nein, der wahre Blick ist: ganz und immer Maria, und immer in ihr und durch sie Jesus! Der hl. Maximilian Kolbe hat dies sehr deutlich gesehen, gelebt und gelehrt (siehe das Weihegebet der MI und seine Konferenzen zu Ehren des hl. Herzens Jesu).
 
Deshalb der Jahresvorsatz Nr. 1:
Immer mit Maria, ganz von ihr abhängig, ganz ihr hingegeben, ganz als ihr Kind, Sklave und Ritter sich dem Herzen Jesu nahen:
- mit Maria die Andacht zum Herzen Jesu pflegen (Herz-Jesu Freitage, Herz-Jesu Monat, Herz-Jesu Fest etc.);
- in diesem Jahr die Ganzhingabe an Jesus durch Maria des hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort feierlich ablegen oder erneuern (z.B. am 25. März);
- sich um den Triumph des unbefleckten Herzens bemühen, um dadurch dem Christkönig die größte Ehre zu geben und das universale und soziale Königtum des heiligsten Herzens Jesu zu verkünden und zu verbreiten;
- mehr denn je Ritter und Werkzeug der Immaculata sein, um so viele abgefallene Seelen wie möglich zu retten und so dem heiligsten Herzen Jesu zuzuführen (Weihegebet der MI).

Es geht aber noch weiter: Wenn beide heiligsten Herzen für uns Wirklichkeit geworden sind, wenn wir wirklich Verehrer der Herzen Jesu und Mariens geworden sind, werden wir in eine noch tiefere Realität eingeführt, nämlich in die Vereinigung beider Herzen. Wenn wir so unsagbar tiefe Dinge von jedem dieser beiden Herzen erkennen und lieben dürfen, wenn wir sehen, wie sich beide in unbeschreiblicher Liebe einander zuwenden, sich vereinigen, gleichsam verschmelzen, wenn wir die Beziehung beider Herzen zueinander betrachten – was sollen wir da sagen?

Hier stehen wir vor dem absoluten Summum der LIEBE: Im heiligsten Herzen Jesu offenbart sich die ganze Liebe Gottes zur Welt, im unbefleckten Herzen Mariens offenbart sich die ganze Liebe des Geschöpfs zu Gott! Die vereinten Herzen sind das Symbol der ewigen Vereinigung von Gott und Geschöpf. Der Triumph der Liebe!

Und hier erreichen wir auch das tiefste Wesen der Militia Immaculatae, welches wir im Lauf des Jahres 2018 den Rittern zur liebenden Betrachtung vorlegen möchten. Wenn wir das MI-Emblem betrachten, sehen wir die vereinten Herzen Jesu und Mariens und die MI inmitten dieser Herzen!

Deshalb der Jahresvorsatz Nr. 2:
- durch Maria zu Jesus, aber auch mit Jesus zu Maria! Dieses Kreisen von einem zum anderen, dieses einander Befruchten, wird sehr tief und schön im Buch von P. Emil Neubert „Mein höchstes Ideal, Jesus – Mariens Sohn" dargestellt. In diesem Jahr wollen wie dieses Büchlein immer wieder zur Hand nehmen und betrachten;
- mit Freude das Abzeichen der MI tragen und die Fahne der MI schätzen und sich um sie herum scharen im Apostolat der MI – bewusst, dass hier das Allergrößte und Allerwichtigste abgebildet ist, das ich als Ritter den Menschen bringen darf.
- wenn möglich zu Ehren der vereinten Herzen Jesu und Mariens einmal pro Monat fasten, denn das Fasten ist eine große Quelle vieler Gnaden für uns und die uns anvertrauten Seelen. Der Herz-Jesu-Freitag soll jeweils der weltweite Fasttag der MI sein (freiwillig).
- durch die beharrliche Praxis der Stoßgebete im Alltag „sich unbefleckt bewahren vor dieser Welt" (Jak 1,27). Besonders empfiehlt sich jenes Gebet, welches die Liebe zu Jesus und Maria, als auch zu den Seelen ausdrückt: Jesus, Maria, ich liebe euch – rettet Seelen!

Und so werden wir im Jahre 2018 den ganzen Reichtum der Botschaft von Fatima und der MI nicht nur nicht vergessen, sondern tiefer betrachten und inniger in die Tat umsetzen, da uns dies alles nur dazu gegeben wurde, um Gott die größte Ehre zu geben und so viele Seelen wie möglich dem Herzen Jesu zu Füßen zu legen durch die Immaculata!

Singapur, Dezember 2017
 
P. Karl Stehlin

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