Rom zur Zeit des Antichristen

In den Kapiteln 14, 16, 17 und 18 der Johannes-Offenbarung ist von der Hure Babylon die Rede, die unterschiedlich interpretiert wird. Die Wachturmgesellschaft der Zeugen Jehovas sieht in ihr "die Gesamtheit aller falschen Religionen"(2), aus denen sie die Zeugen Jehovas ausschließt, und verweist dabei auf Offenbarung 14:8; 17:5 und 18:21:

"Gefallen, gefallen ist Babylon die Große, die alle Nationen mit dem Wein des Grimmes ihrer Hurerei getränkt hat."

"Auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: 'Geheimnis - Babylon die Große - die Mutter der Huren und der Greuel der Erde'."

"Da hob ein starker Bote/Engel einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein, warf ihn ins Meer und rief: 'So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen und niemals mehr darin gefunden werden."

Ökumenische Protestanten hingegen meinen, dass es sich bei der Hure Babylon um die "Gesamtheit aller Konfessionen bzw. aller Getauften" handelt, "die in der Zeit des Endes die wahren Boten Gottes verkennen und sich zur 'Kirche' des Antichristen formieren, die alles geistlich Unreine im höchsten nur denkbaren und praktikablen Maße in sich vereinigen wird."(3)

Im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas schränken die Vertreter dieser Version die Hure Babylon also auf die Gesamtheit aller Konfessionen ein, die im Großen und Ganzen vom Herrn Jesus Christus abfallen, ihm untreu werden und dann als eine Hure mit der Welt buhlen und huren. Im Gegensatz zur Ansicht der Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas ist diese Schlussfolgerung aus der Sicht eines ökumenischen Protestanten nur folgerichtig, da sich die Bezeichnung "Hure" gemäß der Heiligen Schrift im geistlichen Sinn nur auf jemanden beziehen lässt, der sich Gott einmal geweiht hat; und das haben nichtchristliche Religionen nicht getan, weshalb die Wachtturmgesellschaft in ihrer Annahme, dass es sich bei der Hure Babylon um die Gesamtheit aller falschen Religionen handelt, falsch liegt.

Radikale Protestanten, wie z.B. Adventisten, vertreten die Meinung, dass es sich bei der Hure Babylon um das päpstliche Rom, das Papsttum oder die katholische Kirche überhaupt handelt:

"Die Kirche, die sich mit den Weltmächten verbunden hat ist die große Hure Babylon gemäß Offenbarung 17: die römisch-katholische Kirche!"(4)

Sie verweisen dabei auf einige angebliche Kennzeichen:

- Offb. 17,2: "Mit ihr buhlten die Könige der Erde ..." (=> Päpstliche Audienzen mit Mächtigen; Vatikanische Außenpolitik)

- Offb. 17,4: "Das Weib war in Purpur und Scharlach gekleidet und geschmückt mit Gold, Edelgestein und Perlen." (=> Kardinäle als "Purpurträger"; Reichtum der Kirche)

- Offb. 17,4: "Es hielt einen goldenen Becher in seiner Hand, voll vom Greuel und Unrat seiner Buhlerei." (=> Der Messbecher)

- Offb. 17,6: "Ich sah das Weib trunken vom Blute der Heiligen und vom Blute der Zeugen Jesu." (=> Verfolgungen der vermeintlichen Ketzter durch die katholische kirche)

Innerhalb der nicht- und antichristlichen Prophezeiungsforschung tendiert man dazu, in der Hure Babylon die Stadt New York, die Welthandelsmetropole Nr. 1, zu sehen, so auch der berühmte Prophezeiungsforscher Stephan Berndt:

"Ob mit 'Babylon' nun New York, London, Shanghai oder eine andere Welthandelsstadt gemeint ist, darüber ließe sich zunächst streiten. Ich glaube allerdings nicht, dass es in der Bibel um eine chinesische Stadt geht. Es dürfte schon eine große Handelsstadt in der christlich-jüdischen Welt sein. Und da gibt es nicht viele Städte mit der globalen Ausstrahlung New Yorks. Bestenfalls London. Aber London kann sich auch nicht mit New York messen, einfach deshalb, weil Großbritannien nur noch ein Schatten einstiger Größe ist."(5)

Ist eine dieser vier Varianten die richtige? Wenn ja, welche, die der Wachturmgesellschaft, der zufolge es sich bei der Hure Babylon um die Gesamtheit aller falschen Religionen, außer der Wachtturm-Religion, handelt, die ökumenischer Protestanten, denen zufolge die Hure Babylon die Gesamtheit der christlichen Konfessionen darstellt, die radikaler Protestanten, denen zufolge es sich bei Babylon um die römisch-katholische Kirche, das Papsttum oder das päpstliche Rom handelt, oder die der nicht- und antichristlicher Prophezeiungsforscher, nach denen es sich um New York City handelt? Oder gibt es noch eine Variante?

Um das festzustellen, müssen wir die Offenbarung selbst sprechen lassen, statt die biblischen Aussagen nach eigenen Ideen auf alles mögliche zu beziehen. Die Grundskizze der Hure Babylon sieht nach der Offenbarung wie folgt aus:

Offb. 17,18: "Die Frau, die du gewahrtest, ist die große Stadt ..."

Offb. 17,9: "Die sieben Köpfe sind sieben Berge, wo die Frau über ihnen sitzt ..."

Offb. 17,1: "Ich will dir das Urteil/Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt ..."

Der Engel, der zu Johannes gesandt wurde, erklärt ihm ausdrücklich, dass die Hure Babylon eine "große Stadt" ist, und nichts anderes, weder die Gesamtheit aller falschen Religionen, noch die Gesammtheit aller Konfessionen, noch die katholische Kirche, da falsche Religionen, die Konfessionen und die katholische Kirche keine Stadt sind. Dass sie die Hure Babylon wären, ist lediglich eine Idee, die uns daher nicht weiter zu interessieren braucht, da uns nur das interessiert, was die Bibel selbst sagt: Die Hure Babylon "ist die große Stadt", und zwar eine, die auf sieben Bergen erbaut ist und an vielen Wassern sitzt. Die einzige Stadt der Welt, die auf sieben Bergen sitzt, ist die Sieben-Hügel-Stadt Rom, die Hauptstadt Italiens. Die vielen Wasser, an denen Rom sitzt, sind die vielen Wasser des Tyrrhenischen Meeres, das Teil des Mittelmeeres ist.

Wir haben die Hure Babylon also ermittelt; es handelt sich um die Stadt Rom, allerdings nicht um das vergangene Rom oder um das gegenwärtige Rom, sondern um das künftige Rom zur Zeit des Tieres, des Antichristen, von dem die Offenbarung recht ausführlich im 13. Kapitel berichtet. In Verbindung mit dem künftigen Rom wird das Tier nämlich u.a. in Offb. 17,16 genannt:

"Die zehn Hörner ... und das Tier - diese werden die Hure hassen ..."

Der Antichrist und die zehn Hörner, bei denen es sich gemäß Offb. 17,12 um "zehn Könige" handelt, "die noch kein Königreich erhielten", werden das künftige Rom also hassen.

Dieses künftige Rom zur Zeit des Antichristen wird in der Offenbarung nun wie folgt beschrieben:

Rom - Größter Sündenpfuhl der Welt

Offb. 17,5: "Geheimnis - Babylon die Große - die Mutter der Huren und der Greuel der Erde."

Offb. 18,5: "denn ihre Sünden türmen sich bis zum Himmel auf ..."

Der Reichtum des künftigen Roms

Offb. 17,4: "Die Frau war mit Purpur und Scharlach umhüllt und vergoldet mit Gold und mit kostbaren Steinen und Perlen geschmückt." (Steht für Roms künftigem Reichtum, seine Pracht und seine Üppigkeit)

Offb. 18,16: "... du große Stadt, die du mit Batist, Purpur und Scharlach umhüllt, mit Gold vergoldet und kostbaren Steinen und Perlen geschmückt warst ..."

Offb. 18,3: "... durch die Macht ihrer Üppigkeit ..."

Offb. 18,7: "Soviel sie ... üppig gewesen ist ..."

Offb. 18,23: "Denn deine Kaufleute waren die Magneten der Erde ..."

Rom - Weltmacht Nr. 1 (So in der Art wie heute die USA)

Offb. 17,1f.: "'... die große Hure..., mit der die Könige der Erde gehurt haben ..."

Offb. 17,18: "Die Frau ... ist die große Stadt, die die Königsherrschaft über die Könige der Erde hat."

Offb. 18,7: "Ich sitze hier als Königin ..."

Rom - Weltwirtschaftszentrum (Was heute New York ist)

Offb. 18,9: "... die Könige der Erde, die mit ihr hurten und üppig waren ..."

Offb. 18,3: "... und die Kaufleute der Erde sind durch die Macht ihrer Üppigkeit reich geworden."

Offb. 18,15: "Die Händler, durch diese Waren an ihr reich geworden, werden ..."

Offb. 18,19: "... du große Stadt, durch die alle reich geworden sind ..."

Offb. 18,23: "Denn deine Kaufleute waren die Magneten der Erde ..."

Rom - Stadt der Verführung weltweiten Ausmaßes

Offb. 17,1f.: "'... und von dem Wein ihrer Hurerei wurden die auf der Erde Wohnenden berauscht."

Offb. 19,2: "... die die Erde mit ihrer Hurerei verderbte ..."

Offb. 18,23: "Und durch deinen Zaubetrank werden alle Nationen irregführt."

Rom - Weltkulturstadt

Offb. 18,22: "... Harfensängern, Unterhaltern, Flötenspielern oder Posaunenbläsern in dir ... irgendeinen Kunsthandwerker irgendwelcher Kunst in dir ..."

Roms Ansehen

Offb. 18,7: "Soviel sie sich verherrlicht hat ..."

Offb. 18,7: "Ich sitze hier als Königin ..."

Antichristliches Merkmal des künftigen Roms

Offb. 17,6: "Und ich gewahrte die Frau, berauscht vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu."

Rom wiegt sich in Sicherheit

Offb. 18,7: "Ich sitze hier als Königin, ich bin keine Witwe und werde keinesfalls Trauer gewahren."

Das sind alle in der Offenbarung vorkommenden Textstellen, die uns das künftige Rom zur Zeit des Antichristen zeigen. Wir erkennen anhand der Worte der Offenbarung in der Hure Babylon keine Gesamtheit der falschen Religionen, keine Gesamtheit der Konfessionen, nicht New York und nicht die katholische Kirche, sondern ein durch und durch verweltlichtes, antichristliches und in Sünde lebendes und von Sünden beflecktes Rom, das zur Weltmacht Nr. 1, zum Weltwirtschaftszentrum und zur Weltkulturhauptstadt aufsteigen wird, um dann auch vollständig unterzugehen:

Offb. 18,6-8: "Vergeltet ihr, wie auch sie vergolten hat, verdoppelt ihr das Doppelte nach ihren Werken! ... in ihrem Herzen sagt sie: 'Ich sitze hier als Königin, ich bin keine Witwe und sollte keinesfalls Trauer gewahren.' Deshalb werden ihre Plagen an e i n e m Tag eintreffen, Tod, Trauer und Hungersnot. Und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, der Gott, der sie richtet."

In Offb. 18,21 wird die Vernichtung der Stadt nochmals verdeutlicht:

"Da hob ein starker Engel einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein, warf ihn ins Meer und rief: 'So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen und niemals darin gefunden werden."

Rom wird also komplett verschwinden. Auch wenn es in 18,8 heißt, dass Gott das künftige Rom richten wird, so zeigen die Verse 6 und 7 an, dass dieses Richten durch Menschen geschehen wird, da von "Vergeltet ihr" usw. die Rede ist. Die völlige Vernichtung Roms erfolgt als Gericht Gottes eindeutig durch Menschenhand. Das bestätigt auch Offb. 17,16f.:

"Die zehn Hörner [Könige], die du gewahrtest, und das Tier - diese werden die Hure hassen, und sie veröden und entblößen. Und sie werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat es in ihre Herzen gegeben ..."

Das Tier ist gemäß Offb. 13,18 ein Mensch, und zwar, wie im Kapitel enthüllt, der Antichrist, mit der Zahl "666". Diese und die zehn genannten Könige werden das künftige Rom hassen und vernichten, was Gott ihnen ins Herz gegeben hat. Gemäß den Beschreibungen in Offb. 18 muss das Unglück über Rom aus heiterem Himmel kommen, ohne Vorwarnung, plötzlich, innerhalb eines einzigen Tages, wie es oben heißt, und an diesem Tage in einer einzigen Stunde:

Offb. 18,10: "... Denn in e i n e r Stunde ist das Gericht über dich gekommen!"

Offb. 18,17: "... dass in e i n e r Stunde so viel Reichtum verödete!"

Eine Kriegssituation, in der das künftige Rom zerstört würde, wird nicht erwähnt; diese Tatsache und der Hinweis auf die Plötzlichkeit des Geschehens, deuten darauf hin, dass es sich um einen Terrorakt handelt, an dem der Antichrist und die zehn Könige, die zumindest zu diesem Zeitpunkt noch kein eigenes Königreich haben werden, wie es in Offb. 17,12f. heißt:

"Die zehn Hörner, die du gewahrtest, sind zehn Könige, die noch kein Königreich erhielten. Aber Vollmacht erhalten sie für eine Stunde zugleich mit dem wilden Tier. Diese sind einer Meinung und geben ihre Macht und ihre eigene Vollmacht dem wilden Tier."

Es ist nur logisch, dass der Antichrist Rom hassen und es wird vernichten (lassen) wollen, da er selbst nach der alleinigen und absoluten Weltherrschaft streben wird und daher einen Konkurrenten, in diesem Fall Rom, auf keinen Fall wird gebrauchen können. Des Weiteren befindet sich dort der Vatikanstaat, das äußere Zentrum der katholischen Kirche, die der Antichrist selbstverständlich ebenfalls hassen wird.

Ausdrücklich werden die Christen aufgefordert, Rom vor seiner Vernichtung noch rechtzeitig zu verlassen:

Offb. 18,4f.: "Kommt heraus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilnehmt und damit ihr nichts von ihren Plagen erhaltet; denn ihre Sünden türmen sich bis zum Himmel auf, und Gott hat ihrer Untaten gedacht."

Eine klare Warnung Gottes. Sobald die Christen gewahren, dass Rom zur Weltmacht Nr. 1 und zum Welthandelszentrum aufsteigt, sollten sie aufmerksam werden und allmählich den Plan fassen, aus der Stadt wegzuziehen. Werden der Heilige Vater und alle übrigen Katholiken in jener Zeit auf die Warnung hören und die Stadt noch rechtzeitig verlassen?

Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt:

Wenn es in Offb. 17,6 heißt, dass das künftige Rom "vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu" berauscht sein wird, dann besagt das, dass die Stadt zwar antichristlich gesinnt und gestimmt sein wird, es selbst aber an die Christen nicht Hand anlegen wird. Das geht aus Offb. 18,4f. hervor, wonach die Christen in Rom nicht verfolgt werden. Sie sollen ja nur deshalb aus Rom hinausgehen, um der Sünden Roms nicht teilhaft und von seinen Plagen nicht getroffen zu werden, nicht aber, um einer Verfolgung zu entgehen. Das heißt, dass es für die in Rom und im künftigen Römischen Reich lebenden Christen von Seiten Roms nichts zu befürchten geben wird. Und doch berauscht sich das künftige Rom vom Blut der Christen, demnach vom Blut der Christen außerhalb des Römischen Reiches. Das deutet darauf hin, dass Rom an dieser Christenverfolgung außerhalb des Römischen Reiches nur indirekt beteiligt sein dürfte.

Die oben bezeichneten Protestanten, die die Hure Babylon nach ihren eigenen Ideen zur Gesamtheit aller falschen Religionen, zur Gesamtheit aller Konfessionen, die abgefallen sind, und zur katholischen Kirche machen, sollten nicht nach ihren Ideen gehen und die Offenbarung demgemäß umdeuten und sie zur Postulierung ihrer Ideen und ihres Wunschdenkens missbrauchen, sondern sie selbst sprechen lassen. Dann kommen sie auch zum richtigen Ergebnis!

______

(1) Abb.: © JenniferPhotographyImaging, iStock

(1) https://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/fragen/babylon-die-grosse/

(2) http://www.johannesoffenbarung.de/babylon2.htm

(3) http://www.offenbarung.de/wissen-roemische-mutterkirche.php

(4) Bernd, Stephan: Weltkrieg 3.0. Kopp 2015, S. 279.

Erstellt mit Mozello - dem schnellsten Weg zu Ihrer Website.

 .