Reliquien


1. Die Reliquienverehrung und ihr biblischer Hintergrund

Die Bezeichnung „Reliquie“ bedeutet „Überbleibsel“ und bezeichnet im Christentum die körperlichen Überreste Heiliger sowie Dinge, die sie berührt haben oder die in ihrem Gebrauch waren, aber auch Dinge, die direkt oder indirekt auf Gott zurückgehen, wie z.B. die Gesetzestafeln und die Bundeslade. Die Verehrung der Reliquien ist daher ein besonderer Ausdruck der Liebe und Wertschätzung, die die katholische Kirche Gott und seinen Heiligen in dieser Form entgegenbringt, so in etwa, wie wenn wir Dinge aus dem Nachlass von Verstorbenen, die uns besonders nahe stehen, in besonderen Ehren halten.

Mit der Reliquienverehrung steht die katholische Kirche, anders als der Protestantismus, der sie als Götzendienst betrachtet, in einer sehr alten und schönen Tradition. Sie geht bis zu den Patriarchen Israels zurück. Besonders schön wird die Verehrung von Reliquien eines großen biblischen Heiligen in 1 Mo. 49,33 – 50,13 beschrieben:

Josef zog hinauf, um seinen Vater (Jakob) zu begraben. Mit ihm zogen alle Hofleute des Pharao, die Ältesten seines Hofes und alle Ältesten Ägyptens, das ganze Haus Josefs, seine Brüder und das Haus seines Vaters … Auch die Wagen und die dazu gehörige Mannschaft zogen mit ihm, sodass es ein großer Zug wurde. Als sie nach Goren-Atad … gekommen waren, hielten sie dort eine sehr große Totenklage. Die Einheimischen, die Kanaaniter, beobachteten die Trauerfeier in Goren-Atad und sagten: 'Eine würdige Trauerfeier veranstalten da die Ägypter' … Jakobs Söhne taten an Jakob so, wie er ihnen aufgetragen hatte ...“

Mit diesem Bibelzitat verweise ich nicht auf die Trauerfeier und das Begräbnis des Heiligen, sondern auf die große Ehre, die man seinen Reliquien, seinen Gebeinen, erwiesen hat. Die Verehrung von Gebeinen bzw. Reliquien Heiliger hat sich im Alten Bund bis in die Zeit Jesu Christi erhalten. Darüber lesen wir in Mt. 23,29-33:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt: 'Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, so wären wir nicht schuldig geworden mit ihnen am Blut der Propheten. So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne der Prophetenmörder seid. Doch ihr macht es voll, das Maß eurer Väter! Ihr Schlangenbrut, ihr Natterngezücht! Wie werdet ihr dem Gerichte der Hölle entrinnen?“

Bei diesen Worten unseres Herrn Jesus Christus handelt es sich nicht, wie Protestanten behaupten, um eine Kritik an der beschriebenen Reliquienverehrung, die im Alten Bund praktiziert wurde, sondern, wie wir lesen, um eine Kritik an der Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten: Sie gebärden sich als große Verehrer der Heiligen und ihrer Reliquien, machen aber das Maß ihrer Väter, der Prophetenmörder, voll, weshalb der Herr sie als „Schlangenbrut“ und „Natterngezücht“ bezeichnet und sie wegen ihren eigenen Verbrechen vor der Hölle warnt! Das Maß ihrer Väter, der Mörder der Propheten, haben sie dadurch voll gemacht, dass sie durch die Hand der Römer Christus, den Messias, ermordeten, der über allen Propheten steht. Weil sich also Christi Kritik nicht gegen die Reliquienverehrung der Juden richtet, so können wir nicht ersehen, dass die Reliquienverung zu verwerfen sei. Im Gegenteil, sie wird in Hebr. 9,3-5 positiv bezeugt:

Hinter dem zweiten Vorhang aber war ein Zelt, das sogenannte Allerheiligste mit … der … Bundeslade, worin sich der goldene Krug mit dem Manna darin befand, der Stab Aarons, der Triebe angesetzt hatte, und die Bundestafeln. Über ihr waren die Cherubim der Herrlichkeit, die die Sühneplatte überschatteten ...“

Die altehrwürdigen Reliquien der Juden waren (a) die Bundeslade, (b) die Cherubim-Figuren, (c) das von Gott geschenkte Manna, (d) der Stab des hl. Priesters Aaron und (e) die Gesetzestafeln. Zu ihrer höchsten Ehre und Würdigung wurden sie von den Juden im Allerheiligsten des Gotteszeltes und später im Allerheiligsten des Tempels platziert. Und wenn nun schon die Verehrung toter heiliger Gegenstände gut und im Sinne Gottes war, wie der Verfasser des Hebräerbriefes anzeigt (und das Alte Testament beweist), dann doch erst recht die Verehrung der toten Leiber und die Gräber der Heiligen. Denn was oder wer steht höher, „der Stab Aarons, der Triebe angesetzt hatte“, oder der Heilige selbst, der ihn in seiner Hand hielt? Das ist so, wie mit dem Sabbat. Dem Gesetz Gottes nach war der Sabbat heilig und musste eingehalten werden. Doch Christus sagte, dass der Mensch nicht für den Sabbat da sei, sondern der Sabbat für den Menschen. Vor Gott ist der Mensch folglich mehr als der Sabbat. Somit kommen wir auf biblischer Basis zu dem logischen Schluss, dass ein Heiliger und sein toter Leib mehr sind als tote heilige Gegenstände (Sakramentalien). Daraus ergibt sich wiederum der logische Schluss, dass Christus sowohl die Verehrung heiliger Gegenstände als auch die Verehrung der unmittelbaren Reliquien Heiliger gut geheißen haben muss. In Anbetracht von Hebr. 9,3-5 und 1 Mo. 49,33 – 50,13 kann das nur so sein! Wäre dies anders gewesen, dann würden wir nicht das folgende im Neuen Testament lesen, wo positiv über die Verwendung von Reliquien des hl. Apostels Paulus die Rede ist:

Auch ungewöhnliche Wunder tat Gott durch die Hände des Paulus. Sogar seine Schweißtücher und Wäschestücke nahm man ihm vom Leib weg und legte sie den Kranken auf ...“ (Apg. 19,11-12)

Die Reliquien waren die Schweißtücher und Wäschestücke vom hl. Paulus, die Gläubige nahmen, in ihrem Besitz hatten und den Kranken zu ihrer Genesung sowie den von Dämonen Besessenen auflegten. Dass sie wie profane Dinge behandelt und schließlich entsorgt und somit entehrt worden wären, davon berichtet die Bibel nichts. Das ist biblischer Tatbestand, an dem wir Christen uns zu orientieren haben, und nicht an protestantischen Meinungen und Behauptungen! Des Weiteren ist biblischer Tatbestand, dass weder Lukas, der von Gott inspirierte Verfasser der Apostelgeschichte, den verehrenden Umgang der Gläubigen mit den Reliquien des hl. Paulus ablehnte, noch der hl. Paulus selbst, von dem Lukas berichtet. Diese beiden biblischen Tatbestände zeigen, dass die Apostel und ihre Mitarbeiter der Reliquienverehrung offen gegenüberstanden, während die Protestanten sie ablehnen.

Dass die Apostel selbst die Reliquienverehrung praktiziert haben, deutet eine weitere Bibelstelle an, die die Protestanten gerne überlesen. Es handelt sich um Joh. 20,5-7:

Er (Apostel Johannes) beugte sich hinein (ins Grab Jesu) und sah die Leinenbinden liegen … Da kam auch Simon Petrus hinter ihm nach und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen, das Schweißtuch aber, das über seinem (Jesu) Haupte war, lag nicht bei den Leinenbinden, sondern sorgfältig zusammengefaltet für sich an einem besonderen Platz.“

Zwei Mal lenkt der hl. Apostel Johannes hier unseren Blick auf Reliquien: auf die Leinenbinden unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, und schließlich auf eine weitere: auf das Schweißtuch Christi. Vom Schweißtuch Christi berichtet er als Augenzeuge, dass es „sorgfältig zusammengefaltet“ war und „an einem besonderen Platz“ lag. Indem der Apostel hier den Blick seiner Leser auf diese Christus-Reliquien lenkt und fixiert, verleiht er ihnen eine besondere Bedeutung. Er versucht unseren Blick also für heilige Reliquien zu schärfen, die für ihn von großer Bedeutung waren. Das ist ein erster beweiskräftiger Hinweis im Neuen Testament, dass die Apostel einen absolut positiven Bezug zu den heiligen Reliquien hatten, wie auch Apg. 19,11-12 (s.o) belegt.

Genau genommen deutet das Zeugnis Joh. 20,5-7 darauf hin, dass die Apostel nicht nur bloß einen positiven Bezug zu den heiligen Reliquien hatten, sondern dass sie sie auch verehrt haben. Ausdrücklich berichtet Johannes als Zeuge, dass das Schweißtuch Christi „sorgfältig zusammengefaltet für sich an einem besonderen Platz“ lag. Der, der es sorgfältig zusammenfaltete und an den besonderen Platz legte, kann dem biblischen Kontext zufolge nur der auferstandene Herr selbst gewesen sein. Wenn also der Herr selbst mit einer seiner Reliquien so ehrvoll umging (seine erste Tat nach seiner Auferstehung), dann werden es seine Apostel ebenso getan haben. Sie werden sie nicht, wie es die Protestanten tun würden, nachdem sie der Herr sorgfältig zusammengefaltet und an einen besonderen Platz gelegt hat, wie etwas Profanes betrachtet und behandelt und schließlich entsorgt haben, sondern in Ehren gehalten und verehrt haben.

Natürlich stellt sich beim aufmerksamen Lesen der oben zitierten Bibelstelle die Frage, weshalb der Herr dasselbe nicht mit den Leinenbinden getan hat. Bedeutet das, dass diese Reliquien im Gegensatz zur Schweißtuch-Reliquie keinen Wert haben? Oberflächlich betrachtet, könnte man so denken. Doch bei näherer Betrachtung sieht die Sache anders aus! Zunächst ist festzustellen, dass die Leinenbinden-Reliquien genauso wie die Schweißtuch-Reliquie nicht entsorgt wurden. Sie wurden genauso wie das Schweißtuch vor Ort gelassen. Des weiteren ist nicht einzusehen, weshalb die Schweißtuch-Reliquie, die Christi heiligstes Haupt bedeckte, wertvoller sein soll als die Leinenbinden-Reliquien, die seinen heiligsten Leib umhüllten, da doch sein Leib genauso heilig ist, wie sein Haupt. Und so, wie sein Haupt seine Schweißtuch-Reliquie heiligte, so heiligte sein Leib die Leinenbinden-Reliquien. Die Leinenbinden-Reliquien sind folglich nicht weniger heilig und weniger wert als die Schweißtuch-Reliquie. Diese Tatsachen lassen daher nur einen Schluss zu: Der Herr agierte, als er die Leinenbinden nicht zusammenfaltete, als Pädagoge! Mit dem Schweißtuch lehrte er die Apostel, seinem Beispiel zu folgen. Das heißt: das, was er selbst mit seiner Schweißtuch-Reliquie getan hat, sollten nun seine Apostel selbst mit seinen Leinenbinden-Reliquien tun und sie genauso in Ehren halten, wie sein von ihm sorgfältig zusammengefaltetes Schweißtuch. Kurz: Christus lehrte die Apostel, wie sie mit heiligen Dingen umzugehen hätten. Speziell lehrte er sie die Reliquienverehrung, die die Apostel, wie gezeigt, ganz klar praktiziert haben müssen, da die sorgfältige Zusammenfaltung der Schweißtuch-Reliquie und ihre Platzierung an einen besonderen Platz keine andere Handlung zulässt, etwa eine Entsorgung in der Mülltonne nach protestantischer Art.

Mit Joh. 20,5-7 und Apg. 19,11-12 ist die Reliquienverehrung im Neuen Bund klar und deutlich angedeutet und grundgelegt. Eine ablehnende Haltung gegenüber den heiligen Reliquien und der Reliquienverehrung ist weder im Alten noch im Neuen Testament zu verzeichnen. Die Ablehnung der heiligen Reliquien und der Reliquienverehrung ist daher ein antichristlicher Akt, sie ist eine protestantische Erfindung im Kampf gegen die katholische Kirche.


Die übernatürliche Kraft der heiligen Reliquien

Den gläubigen Katholiken ist aus Erfahrung bekannt, dass durch heilige Reliquien Wunder geschehen (können), Dinge, die naturwissenschaftlich nicht erklärt werden können. In der katholischen Kirche gibt es nämlich zahlreiche Reliquien-Wunder. Ein solches Reliquien-Wunder erlebte kürzlich eine mir bekannte Glaubensschwester, die 2014 vom Protestantismus zum katholischen Glauben konvertiert ist. Seit sie nämlich in der Bochumer St. Franziskus Kirche eine Reliquie des hl. Franziskus (dessen Knochensplitter) berührt hat, erfährt sie einen fortschreitenden Heilungsprozess.

Protestanten behaupten nun, dass diese Wunder nicht auf Reliquien zurückzuführen seien, sondern auf Dämonen, die mit diesen Wundern den (katholischen) „Reliquien-Götzendienst“ fördern würden. Dass die heiligen Reliquien keine Götzen sind und die Reliquienverehrung kein Götzendienst ist, sondern eine heilige Handlung, habe ich oben anhand der Heiligen Schrift aufgezeigt. Und dass die Reliquien-Wunder dämonischen Ursprungs seien, ist ebenso eine bloße protestantische Behauptung, da sie mit nichts bewiesen werden kann, nichteinmal biblisch. Sie ist also völlig bedeutungslos, eine protestantische Floskel, die für den Kampf gegen die katholische Kirche erfunden wurde und von der Heiligen Schrift klar und deutlich widerlegt wird. In 2 Kön. 13,20-21 lesen wir nämlich von einer sehr schönen Begebenheit, die die Reliquie des hl. Propheten Elischa betrifft:

Und Elischa starb, und man begrub ihn. Und es kamen moabitische Räuberscharen ins Land, als das Jahr begann. Und es geschah, als sie einen Mann begruben, siehe, da sahen sie die Räuberschar, und sie warfen den Mann in das Grab Elischas. Als aber der Mann da hinein kam und die Gebeine Elischas berührte, da wurde er lebendig und stellte sich auf die Füße.“

Ganz deutlich wird vom Gott inspirierten Schreiber erklärt, dass der Tote infolge der Berührung der Gebeine (Reliquien) des Heiligen zum Leben erweckt wurde, und nicht durch Dämonen. Die Heiligkeit und Kraft der Reliquie Elischas sieht man noch besser, wenn man das folgende Gebot Gottes beachtet: „... jeder, der .. ein Grab berührt, wird sieben Tage unrein sein ...“ (4 Mo. 19,16) Ganz anders am Grab des Heiligen: hier wurde der Mann bei seiner Erweckung nicht unrein, weil die Reliquie des Heiligen ganz einfach heilig und damit rein war.

Diese Begebenheit zeigt, welch eine große Macht und Kraft in den heiligen Reliquien steckt, die, wie diese Bibelstelle zeigt, nicht auf Dämonen zurückzuführen ist, sondern auf Gott, da Elischa ein heiliger Gottesmann war und Tote nur von Gott, dem Schöpfer, zum Leben erweckt werden können, nicht aber von Satan und seinen Dämonen. Wenn also Katholiken und andere Menschen heilige Reliquien berühren, um Segen zu empfangen, gesund zu werden oder von dämonischen Belastungen befreit zu werden, dann tun sie damit nichts, was außerhalb der göttlichen Ordnung stünde, sondern das, was auch die in Apg. 19,11-12 erwähnten Gläubigen getan haben:

Auch ungewöhnliche Wunder tat Gott durch die Hände des Paulus. Sogar seine Schweißtücher und Wäschestücke nahm man ihm vom Leib weg und legte sie den Kranken auf ...“

Dasselbe tat auch die blutflüssige Frau, von der die Heilige Schrift berichtet, dass sie voll Glaubens und Vertrauens Jesu Gewand berührte, um wieder gesund zu werden:

Da war eine Frau, die zwölf Jahre an Blutfluss litt und von vielen Ärzten viel ausgestanden und all das Ihre aufgewendet hatte, ohne Erfolg zu finden – sie war vielmehr nur noch schlimmer daran. Sie hatte von Jesus gehört, trat in der Menge von rückwärts hinzu und berührte sein Kleid, denn sie sagte sich: 'Berühre ich nur sein Gewand, so werde ich geheilt.“ (Mk. 5,25-28)

Und alle diese Menschen, die gläubig und voll Vertrauen diese heiligen Dinge berührten, wurden durch dieselben Dinge geheilt:

Auch ungewöhnliche Wunder tat Gott durch die Hände des Paulus. Sogar seine Schweißtücher und Wäschestücke nahm man ihm vom Leib weg und legte sie den Kranken auf, worauf die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren.“ (Apg. 19,11-12)

Da war eine Frau, die zwölf Jahre an Blutfluss litt und von vielen Ärzten viel ausgestanden und all das Ihre aufgewendet hatte, ohne Erfolg zu finden – sie war vielmehr nur noch schlimmer daran. Sie hatte von Jesus gehört, trat in der Menge von rückwärts hinzu und berührte sein Kleid, denn sie sagte sich: 'Berühre ich nur sein Gewand, so werde ich geheilt.' Und sofort versiegte der Quell ihres Blutes, und sie fühlte am Körper, dass sie geheilt war von der Plage.“ (Mk. 5,25-29)

Wenn also gläubige Katholiken und andere Menschen, die dasselbe tun, wie jene Menschen es getan haben, und durch heilige Reliquien ebenso gesund wurden/werden, wie jene, wie können dann Protestanten behaupten, dass infolge eines solchen Gebrauchs von heiligen Reliquien Dämonen wirkten? Im Gegenteil, wenn durch heilige Dinge/Reliquien Wunderheilungen geschehen und sogar Dämonen ausgetrieben werden, wie in den von der Bibel genannten Fällen, dann nicht durch Dämonen, wie die Bibel sagt, sondern durch Gottes Kraft, die durch diese heiligen Dinge/Reliquien wirkt. Wenn es oben in Apg. 19,11 heißt, dass Gott „ungewöhnliche Wunder … durch die Hände (!) des Paulus“ tat, und sogleich von Heilungen und Dämonenaustreibungen durch Paulus' „Schweißtücher und Wäschestücke“ berichtet wird, so bedeutet das im Zusammenhang, dass Gott nicht nur durch die Hände des hl. Paulus „ungewöhnliche Wunder“ wirkte, sondern auch durch dessen Reliquien. Dasselbe begegnet uns bei der blutflüssigen Frau, die durch das Gewand Christi geheilt wurde. Es heißt bei Markus weiter:

Sofort aber merkte Jesus an sich die von ihm ausgehende Kraft, wandte sich um und sprach: 'Wer hat mein Gewand berührt?'“ (Mk. 5,30)

Es ist also Gottes Kraft, der Heilige Geist, die dritte göttliche Person, die durch heilige Gegenstände, einschließlich heilige Reliquien, wirkt, wenn sie in göttlicher Ordnung gebraucht werden, und nicht Dämonen. Was sagte Jesus zu jenen, die seine Wunder als dämonischen Ursprungs betrachteten und bezeichneten? Die Heilige Schrift berichtet:

Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: 'Er (Jesus) hat den Beelzebul!' und: 'Durch den Fürsten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.' Er rief sie herbei und redete zu ihnen in Gleichnissen: 'Wie kann Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich mit sich selbst entzweit ist, so kann ein solches Reich nicht Bestand haben. Und wenn ein Haus mit sich selbst entzweit ist, so kann ein solches Haus nicht bestehen. Wenn nun der Satan gegen sich selbst aufsteht und sich entzweit, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm. Niemand kann in das Haus des Starken eindringen und seine Habe plündern, wenn er nicht vorher den Starken gefesselt hat; dann erst wird er sein Haus plündern. Wahrlich, ich sage euch: Alles wird den Menschenkindern vergeben werden an Sünden und Lästerungen, soviel sie auch lästern mögen; wer aber lästert wider den Heiligen Geist, findet in Ewigkeit nicht Vergebung, sondern er ist ewiger Sünde verfallen.' Sie sagten nämlich: 'Er (Jesus) hat einen unreinen Geist.'“ (Mk. 3,22-30)

Hier sehen wir, dass die bezeichneten Protestanten praktisch dasselbe tun, was die genannten Schriftgelehrten getan haben: Sie sagen immerfort, dass durch heilige Gegenstände/Reliquien Satan wirke, während es der Heilige Geist ist. Wie die Schriftgelehrten lästern sie somit unaufhärlich wider den Heiligen Geist, weshalb sie, Jesu Worten zufolge, „in Ewigkeit nicht Vergebung“ finden, „sondern“ sie sind „ewiger Sünde verfallen“.

Da schenkt Gott durch heilige Reliquien und andere heilige Gegenstände gläubigen Katholiken und anderen Menschen seine Liebe und Barmherzigkeit, d.h. Segen, Heilung und Befreiung von dämonischen Belastungen (wie durch die heiligen Gegenstände des Paulus und Jesu Christi den in der Bibel bezeichneten Kranken und Besessenen), und die bezeichneten Protestanten sagen, es sei der Teufel! Schlimmer geht es nicht, als Gottes Liebe und Barmherzigkeit, die er Menschen durch heilige Reliquien etc. schenkt, als satanisch bzw. dämonisch zu bezeichnen, nur weil die Berührung heiliger Reliquien zur Erlangung von Segen, Heilung und zur Befreiung von dämonischen Belastungen und zur Förderung der eigenen Heiligung heutzutage eine katholische Handlung ist (denn in biblischer Zeit leben wir ja nicht), die daher um jeden Preis abgelehnt und verworfen werden müsse.

Halten wir fest: Gemäß der Heiligen Schrift ist die Reliquienverehrung eine Handlung, in der sich der eigene Glaube ausdrückt. In biblischen Zeiten wurde sie nicht nur von den Juden praktiziert, sondern auch von der Kirche unter den Aposteln und von den Aposteln selbst. Wie Mk. 5,25-29 und Apg. 19,11-12 belegen, ist die Berührung von heiligen Gegenständen/Reliquien, um Segen und Heilung und Befreiung von dämonischen Mächten zu empfangen, nichts, was die Heilige Schrift (als Götzendienst) ablehnen und verwerfen würde, wie das Protestanten tun. Ausdrücklich stellt die Heilige Schrift klar, dass dies Gott wohlgefällig ist, da er durch heilige Gegenstände/Reliquien Segen und Heilung und Befreiung von Dämonen schenkt, wenn er das will. Segen, Heilung und Befreiung von Dämonen empfangen wir gemäß der Bibel also nicht von Satan und seinen Dämonen, sondern von Gott, dessen Kraft durch heilige Gegenstände/Reliquien wirkt. Und so appelliere ich an jene Katholiken, die schwach im Glauben sind und sich von den bezeichneten Protestanten verwirren lassen könnten, dass sie weiterhin an der biblischen/christlichen Tradition der Reliquienverehrung festhalten, um so, auf welche Weise auch immer, von Gott durch Reliquien Segen empfangen.

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